Zeitung Heute : "Eine Fülle räuberischer Geschäftspraktiken"

KLAUS ANGERMANN

Viele Jahre stand der amerikanische Software-Riese Microsoft stellvertretend für gigantischen wirtschaftlichen Erfolg und den "American dream" schlechthin.Angefangen mit dem cleveren Deal eines Betriebssystems namens Q-DOS, das er an IBM weiterverkaufte, baute Bill Gates mit Microsoft das einflußreichste Computerunternehmen der Welt auf.Doch seit einigen Jahren kratzen Gerüchte über unlautere Wettbewerbsmethoden am Image.

Den Dschungel von Vorwürfen und Verfahren gegen Microsoft zu lichten hat sich die amerikanische Journalistin Wendy Goldman Rohm zur Aufgabe gemacht.Mit ihrem kürzlich erschienenen Werk "Die Microsoft-Akte" legt sie schon im Vorwort die Marschroute ihres Buches fest: Gezeigt werden soll die "Fülle räuberischer Geschäftspraktiken", mittels derer sich das Imperium Microsoft etablierte.Aus der Schlüsselloch-Perspektive zeichnet sie das Bild eines eiskalten und machtgeilen Unternehmers, der um jeden Preis gewinnen möchte.

Die Beschreibungen beginnen Ende der 80er Jahre, als Bill Gates mit einigen genialen Täuschungsmanövern den großen Konkurrenten IBM aussticht, um daraufhin den Software-Markt zu einer Monopolstellung für Microsoft auszubauen.Rohm schildert detailliert, wie leicht Gates es oft durch die Leichtgläubigkeit seiner Konkurrenz hatte.Sie zeigt auch, wie schwer sich die Kontrollbehörden jahrelang mit offensichtlichen Kartellverstößen taten.Die Autorin berichtet keine aufsehenerregenden Neuigkeiten; viele Details ihrer Recherchen sind schon länger bekannt.Der Text selbst ist nicht ohne Spannung, wenn auch nicht unbedingt brillant geschrieben.Dafür erhält der Leser immerhin einen ausführlichen Überblick über die Entwicklung der Software-Branche der letzten 10 Jahre.

Wendy Goldman Rohm: Die Microsoft-Akte.Das geheime Verfahren gegen Bill Gates, Econ Verlag München, 1998

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