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E-Mail-Account und Hochschulsport für Alumni: Damit aus Ehemaligen auch Förderer werden, muss die Universität noch mehr bieten als bisher

Benjamin Reuter

Nein, Alumni ist nicht die Abkürzung für ein neuartiges Leichtmetall. Das Wort bezeichnet ehemalige Studenten, Wissenschaftler und Mitarbeiter einer Hochschule. Ungefähr 15 000 dieser Alumni, die in Kontakt mit ihrer Alma mater bleiben wollen, zählt die Humboldt-Universität (HU).

Die systematische Bindung der Ehemaligen begann 1996, sagt Karina Jung, Alumni-Koordinatorin der HU. Damals sei die Überzeugung in den Rektorenzimmern deutscher Universitäten gewachsen, die Alumni als Unterstützer zu gewinnen – ganz nach angelsächsischem Vorbild. Die zentrale Datenbank der HU, in der die Alumni erfasst werden, ist seitdem auf 6000 Adressen angewachsen. Die übrigen 9000 sind bei den einzelnen Fakultäten registriert, und teilweise in Vereinen organisiert. Sogar in New York zählen die Ehemaligen-Treffen regelmäßig bis zu fünfzig Teilnehmer. Zumeist Deutsche, aber auch viele Chinesen, wie Andrea Adam, Repräsentantin der HU im Big Apple, berichtet.

Einer dieser Vereine ist die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft (HUG). Der „Verein der Freunde, der Ehemaligen und Förderer“ unterstützt mittels Spenden und Mitgliedsbeiträgen Projekte an der Universität: unter anderem eine Schriftenreihe über „Prominente Ehemalige“ der HU und das Alumni-Portal.

Einer der größten Fakultäts-Vereine ist Wiwex.net, bei den Wirtschaftswissenschaften, mit knapp 800 Mitgliedern. Der Verein organisiert Alumni-Stammtische in verschiedenen deutschen Städten und veranstaltet jährlich einen Ball; eine Art Klassentreffen für die Absolventen. Davon profitiert auch die Fakultät. Unter anderem werden Seminarräume renoviert und ein Mentorenprogramm organisiert, das Studenten den Berufseinstieg erleichtern soll.

Das Engagement der Ehemaligen in den einzelnen Fakultäten wünscht sich Karina Jung für die gesamte Universität. „Aber die dezentrale Struktur macht uns da einen Strich durch die Rechnung.“ Vielleicht, so meint Jung, würden gemeinsame Begrüßungs- und Abschlussfeiern aller Fakultäten daran etwas ändern. „Die Leute müssen sich viel mehr mit der Universität identifizieren. Das müssen wir schaffen, dann kommt alles andere.“

Das Ziel sei die Finanzierung von Projekten, die nicht nur einzelnen Fachbereichen zu Gute kommen. Dazu sollen demnächst alle Alumni in einer einzigen Datenbank gebündelt werden. „Aber bis Spender und Ehemalige eins werden, haben wir noch einen weiten Weg vor uns“, betont Jung. „Kleine Beträge, große Zahlen – das wäre es. Aber eine groß angelegte Kampagne, bei der jeder nur fünf Euro für die Renovierung eines Hörsaals spendet, funktioniert noch nicht.“ Erst müsse der Service ausgebaut werden.

Momentan können sich die Alumni eine E-Mail-Adresse ihrer Alma mater einrichten lassen (monika.mustermann @alumni.hu-berlin.de), am Uni-Sport oder an nächtlichen Führungen im Museum für Naturkunde teilnehmen oder die Hohenzollerngruft im Berliner Dom besuchen. Unternehmensgründer können sich außerdem Rat beim Career Center der Universität holen. Jung bedauert, dass „die meisten Alumni nur die E-Mail-Adresse nutzen“. Optimistisch ist sie trotzdem. „Die Basis steht. Jetzt kann man anfangen, etwas Größeres zu machen.“

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