Zeitung Heute : Eine lukrative Alternative: Betriebsrenten

Wer über den Arbeitgeber vorsorgt, kann doppelt sparen

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In der öffentlichen Debatte ist zwar die private Riester-Rente prominenter. In der praktischen Bedeutung läuft ihr allerdings die betriebliche Altersvorsorge den Rang ab. Das Arbeitsministerium geht davon aus, dass künftig etwa ein Drittel der Zusatzvorsorge privat und zwei Drittel über den Betrieb laufen werden, sagt Sprecherin Elisabeth van der Linde. Für rund 18 Millionen Arbeitnehmer gibt es nach Informationen des Ministeriums bereits tarifliche Regelungen. Der MetallRente haben sich über 800 Unternehmen – vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie angeschlossen – darunter Konzerne wie Daimler-Chrysler und Porsche. Am Chemie-Pensionsfonds sind Unternehmen wie Henkel und Schering beteiligt.

Die rot-grüne Rentenreform sieht verschiedene Fördermöglichkeiten für die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge vor. Teile von Lohn und Gehalt können zu Beiträgen für die private Altersvorsorge umgewandelt werden – per „Entgeltumwandlung“. Konkret funktioniert das so: Bis zu 2160 Euro darf ein Arbeitnehmer im Jahr von seinem Bruttoeinkommen abzwacken und für eine Betriebsrente einzahlen. Der Staat unterstützt ihn dabei: Den Betrag muss er nicht versteuern, und er braucht auch keine Sozialabgaben abzuführen. Der Arbeitnehmer kann also gut ein Fünftel seiner Sozialbeiträge sparen, wenn sein Entgelt nicht über der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung liegt.

Der steuerliche Vorteil, der sich ergibt, ist in der Regel höher, als der staatliche Zuschuss, der bei einer privaten Riester-Rente gezahlt wird. Für die schwierige Entscheidung – privat oder betrieblich? – gilt die Faust-Regel: Eine Riester-Rente lohnt sich vor allem, je geringer das Einkommen ist und je mehr Kinder jemand hat, weil dann die staatlichen Zuschüsse am höchsten sind. Einen individuellen Vergleich zwischen Brutto- oder Nettoumwandlung kann man im Internet etwa über den Förderrechner der MetallRente berechnen ( www.metallrente.de ). Allerdings gibt es auch Arbeitgeber, die die Riester-Zulagen auf die betriebliche Altersvorsorge anrechnen.

Arbeitgeber bestimmt die Anlageform

Nach dem Gesetz hat jeder Arbeitnehmer ein Recht auf eine betriebliche Zusatzrente, der Arbeitgeber kann aber über die Form bestimmen. Bei einer Direktversicherung werden die Beiträge in eine Lebensversicherung investiert – eine kapitalbildende Lebensversicherung sichert dabei nicht nur das Todesrisiko ab, sondern spart auch Kapital zur Altersvorsorge an. Eine neue Form der betrieblichen Altersvorsorge sind Pensionsfonds. Hier sind von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) bislang 14 Anbieter zugelassen: von der Telekom über den Automobilzulieferer Bosch bis zum Versicherungskonzern Gerling. 13 weitere Fonds stehen auf der Warteliste der Behörde und sollen bis zum Jahresende ihre Genehmigung erhalten, sagt BAFin-Sprecher Peter Abrahams.

Schon länger auf dem Markt sind Pensionskassen. Zwölf Versorgungseinrichtungen haben eine BAFin-Genehmigung, darunter die Sparkasse sowie die Versicherungsunternehmen Debeka, Victoria und Hamburg-Mannheimer. Dazu kommen weitere 15 bis 20 Pensionskassen älteren Datums, die sich geöffnet haben für die neue betriebliche Altersvorsorge.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Anlageformen: Fonds sind freier in der Kapitalanlage – theoretisch können sie ausschließlich Aktien enthalten. In der Praxis liegt der Aktienanteil allerdings meist zwischen 50 und 60 Prozent, sagt BAFin-Sprecher Abrahams. Die Pensionskassen richten sich dagegen eher an diejenigen Sparer, die nur ein geringes Risiko eingehen möchten. Denn hier darf der Anteil an Aktien bei maximal 35 Prozent liegen. Die meisten Kassen, so die Erfahrung von BAFin-Sprecher Abrahams, liegen allerdings „weit darunter“. Cordula Eubel

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