Zeitung Heute : Eine Milliarde Transistoren auf einem Chip

PETER ZSCHUNKE (AP)

Intel hat große Ziele / Informationsverarbeitung wird schnellerVON PETER ZSCHUNKE (AP) HANNOVER.Das Leben eines Prozessors ist ungerecht.Mehr als 90 Prozent der Betriebszeit wartet das in Silizium gegossene Herz des Computers vergeblich auf irgendwelche Befehle.In der übrigen Zeit aber stöhnt der Mensch vor dem Computer, wie lange es doch dauert, bis zum Beispiel die dreidimensionale Ansicht eines technischen Modells auf dem Bildschirm erscheint.Und deswegen treibt Marktführer Intel die Entwicklung neuer Prozessoren zu unvorstellbaren Leistungen voran.Das Tempo der technologischen Entwicklung hat schon einer der Firmengründer von Intel vorgegeben: Das nach ihm benannte Mooresche Gesetz besagt, daß sich die Anzahl der Transistoren - der elektronischen Schaltungen auf einem Chip - alle 18 Monate verdoppelt."Das Mooresche Gesetz bleibt bestehen", sagte der für die Prozessor-Entwicklung zuständige Intel-Vizepräsident Albert Yu auf der Cebit.Nach seiner Erwartung könnten Mikroprozessoren in 15 Jahren aus 1 Mrd.Transistoren bestehen - bei dem derzeit aktuellen Pentium II sind es 7,5 Mill.Bei der für die Schnelligkeit der Befehlsverarbeitung maßgeblichen Taktfrequenz peilt Yu zehn Gigahertz an, das sind 10 000 Megahertz verglichen mit der derzeit höchsten Taktrate von 333 Megahertz.Wenn es nach Intel geht, sollen in naher Zukunft 1 Mrd.Personalcomputer miteinander vernetzt sein und Informationen von Hunderten von Millionen Servern beziehen.Intel hat bisher der PC-Entwicklung den Takt vorgegeben, bei leistungsstarken Servern und Workstations für den Einsatz in Wissenschaft und Entwicklung setzten oft andere Unternehmen wie Digital Equipment oder Sun Microsystems Maßstäbe.Auch bei den besonders preiswerten Computern der Einsteigerklasse überließ Intel das Feld lange seinen kleineren Mitbewerbern AMD und Cyrix.Jetzt aber will das US-Unternehmen verstärkt alle Felder beackern, zumal die Geschäfte in den ersten Monaten dieses Jahres deutlich schlechter laufen.Beobachter erwarten einen Umsatzrückgang im ersten Quartal um 10 Prozent.Intel bringt in diesem Jahr so viele Prozessoren auf den Markt wie nie zuvor - Yu kann sie gar nicht alle zählen.Nach dem Pentium II mit 333 MHz kommt bis Ende Juni ein noch schnellerer, der auch in der externen Taktrate ein höheres Tempo bringt: 100 Megahertz statt bisher 66 MHz.Dieser Wert soll nach Angaben Yus weiter bis auf 200 MHz gesteigert werden, während es bei der internen Taktrate bis Jahresende eine Steigerung über 400 auf 450 MHz geben soll.Zur Jahresmitte kommt dann ein abgespeckter Pentium II unter dem Namen Celeron heraus, der auf einen Second-Level-Cache für die schnelle Darstellung von Grafik und Video verzichtet und für den Einsteiger-PC bis 1500 DM gedacht ist.Für den Hochleistungsrechner setzt Intel große Erwartungen in den für Ende 1999 angekündigten Prozessor mit dem Codenamen Merced.In einer Simulation zeigte Yu auf der Cebit, welche Leistungssteigerung die 64-Bit-Architektur verglichen mit den bisherigen 32-Bit-Prozessoren bringen wird: Die einzelnen Befehle sausen viel schneller durch das in Form bunter Kanäle dargestellte Leitungssystem des Chips, weil mehrere Instruktionen gleichzeitig angenommen werden können.Softwarefirmen wie Microsoft und Sun arbeiten bereits an zu Merced passenden Betriebssystemen.Den Vorstoß in immer neue Leistungsregionen verdankt Intel auch den Fortschritten in der Produktionstechnik.Inzwischen beträgt der Abstand zwischen den Leitungen auf dem Silikonträger nur noch 0,25 Mikrometer, und schon im nächsten Jahr soll es nach Angaben Yus auf 0,18 Mikrometer hinuntergehen.Für die meisten Privatanwender bedeutet die rasante Entwicklung bei den Prozessoren, daß die jetzt eingeführten leistungsstärksten Pentium-II-Chips im Lauf des Jahres deutlich billiger werden.Wer jetzt noch mit seinem einfachen Pentium-Rechner zufrieden ist, sollte daher das tun, was der Prozessor meistens macht: Noch ein wenig warten.

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