Zeitung Heute : "Eine ziemlich schreckliche Drohung"

WASHINGTON (AP).Im Kartellrechtsprozeß gegen Microsoft hat der Prozessorhersteller Intel als drittes Unternehmen der Branche zur Geschäftspolitik des Software-Unternehmens Stellung genommen.Intel-Manager Steven McGeady sagte am Montag, Microsoft habe Intel gedrängt, auf die Entwicklung von Software für das Internet zu verzichten.In einer auf Video aufgenommenen Aussage wies Microsoft-Chef Bill Gates dies als falsch zurück.

Die einst engen Beziehungen zwischen Microsoft und Intel sind inzwischen spürbar gespannt.Kaum jemand mag noch vom "Wintel-Imperium" aus Windows und Intel sprechen, da Intel offenbar auf Distanz zu Microsoft geht.So kündigte Intel seine Unterstützung für Rechner mit dem Betriebssystem Linux an und beteiligte sich auch an der Firma RedHat, die dieses Betriebssystems vertreibt.Im vergangenen Monat vergab Intel zudem eine Lizenz für Videoabspielungen an RealNetworks, dem Konkurrenten von Microsoft in diesem Bereich.

Über ein Treffen von Gates mit dem Intel-Management im August 1995 sagte McGeady: "Er war sehr aufgeregt.Bill machte sehr deutlich, daß er unsere nächsten Mikroprozessor-Angebote nicht unterstützen würde, wenn wir keine Übereinstimmung erzielen würden." Diese Drohung sei "glaubwürdig und ziemlich schrecklich" gewesen.Der vom Justizministerium genannte Zeuge war der einzige, der vor dem Prozeß keine schriftliche Aussage abgeben wollte.

In der auf Video aufgenommenen und am Montag im Gericht gezeigten Vernehmung des Microsoft-Chefs verlangte der Anwalt des Justizministeriums, David Boies, eine Erklärung zu den Vorwürfen des Intel-Managers.Auf die Frage, ob Microsoft Intel von eigenen Software-Projekten abhalten wollte, schwieg Gates 15 Sekunden lang und sagte dann: "Nein." Er glaube nicht, daß Intel jemals an Software für das Internet gearbeitet habe, fügte Gates hinzu.

Zuvor setzte sich Microsoft gegen den Vorwurf zur Wehr, absichtlich Fehler in Programme eingebaut zu haben.Das Unternehmen wies diese Beschuldigung eines Apple-Managers entschieden zurück.Im konkreten Fall ging es darum, daß ein Fehler die Benutzung des Apple-Multimediaprogramms QuickTime erschwert haben soll.Wenn dies ein Einzelfall wäre, könnte vielleicht noch ein versehentlicher Programmierfehler vorgelegen haben, erklärte Ken Wash, der Präsident des Verbandes der Softwarehersteller.Aber Vorwürfe der Software-Manipulation seien gegen Microsoft schon rund ein halbes Dutzend Mal erhoben worden.

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