Zeitung Heute : Einfacher als jeder Bankautomat

KÖLN (AP).Aus der Wahlkabine tönt ein elektronisches Piepen, der kleine Display auf dem Tisch vor der Kabine registriert: "Gewählt haben BW 98: 52." Übersetzt heißt das: Gewählt haben bei der Bundestagswahl 1998 bisher 52 Stimmberechtigte.Fingerdruck statt Kreuzchen - bei den Wählern im Testgebiet Köln kam am Sonntag die Möglichkeit zur elektronischen Abstimmung gut an."Das ist einfacher als jeder Bankautomat", stellte eine Frau nach ihrem Wahlgang erleichtert fest.

Zehn Geräte des Typs "ESD 1" hatte die Stadt Köln in einem Feldversuch in den Wahlämtern aufgestellt.Nach der offiziellen Stimmabgabe in der Wahlkabine konnten sich hier 7200 Kölner probeweise am Computer versuchen, der tatsächlich wie ein kleiner Bankautomat aussieht.

Dazu mußten die Wahlhelfer auch Computerlaien nur kurz einweisen: "Einfach die Erststimme und die Zweitstimme wählen, mit der blauen Taste bestätigen - fertig." Auf dem Schirm hinter den Sichtblenden ist der Wahlzettel abgebildet, wie er auch auf dem Papier aussieht.Wer sich "verwählt", kann das elektronische Kreuzchen vor dem Abspeichern mit der Korrekturtaste wieder rückgängig machen.Und, wie beim Stimmzettel auch: Niemand kann nachvollziehen, wer was hinter der Trennwand gewählt hat - auch nicht die Wahlhelfer, die vor einem kleinen Display den Computer überwachen.Selbst viele ältere Wähler waren zufrieden: "Das geht schnell und einfach."

Mit den neuen Geräten soll das Auszählen der Stimmen mit der Hand künftig wegfallen.Kurz nach 18 Uhr wird der Computer, der auf Koffergröße zusammengeklappt werden kann, dann die Wahlergebnisse verkünden."Das Gerät hat eine sehr gute Resonanz", berichtete der zuständige Projektleiter des Wahlamtes der Stadt Köln, Ludger Ahrens-Beck, am Sonntag.Kölns Wahlamtsleiter Klaus Zedler zeigte sich zuversichtlich, daß die Geräte bereits bei der Europawahl nächstes Jahr eingesetzt werden: "Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Berlin hat die Geräte getestet und wird dem Bundesinnenministerium ein positives Votum übermitteln", so Zedler.

Skeptische Kommentare gab es allerdings zum Thema Datensicherheit: "Wenn der Geldverkehr im Internet nicht sicher ist, wie soll die Wahl dann sicher sein?", fragte eine Wählerin bei der Stimmabgabe in der Kölner Universität."Das ist ein neues Zeitalter - ich mache ja auch sonst viel mit dem Computer", sagte ein jüngerer Mann hingegen zuversichtlich.Ob die Geräte 2002 in ganz Deutschland aufgestellt werden, liegt bei den Kommunen.Diese müssen entscheiden, ob sie die etwa 8000 Mark teuren Geräte aus holländischer Produktion kaufen wollen oder auch weiter Wahlhelfer die Stimmen auszählen sollen.

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