Zeitung Heute : Einkaufen ohne Streß in der virtuellen Umkleidekabine

KURT SAGATZ

Computermodell gewann den ersten Preis des Deutschen Mulitmedia Awards - Frauen können sich jetzt per Mausklick umziehenVON KURT SAGATZWas für die einen eine Lust ist, empfinden andere als eine Last: Vor dem Kauf einer neuen Garderobe müssen diverse Kleidungsstücke anprobiert werden, heißt es umziehen, umziehen, umziehen.Nach Ansicht des Kaufhof Warenhauskonzerns muß das nicht sein.Sie haben beim Kölner Consultteam ein Kioskterminal in Auftrag gegeben, das jetzt in den Damenoberbekleidungsabteilungen zum Einsatz kommt.Hier kann die Kundin einem virtuellen Computermodell ihr Aussehen verleihen, indem die 3D-Puppe Gesicht und Maße erhält.Die gute Idee und die professionelle Umsetzung wurde nun auf dem 6.Deutschen Multimedia Kongreß in Stuttgart gewürdigt: Kaufhof und das Consultteam erhielten den 1.Preis des Deutschen Multimedia Awards, der in diesem Jahr von der Deutschen Bank, dem BDW und dem wissenschaftlichen Springer-Verlag zum dritten Mal vergeben wurde.Das einzige Manko der Angelegenheit ist aus Sicht von Jurychef Volker Tietgens, daß es das virtuelle Bekleidungsstudio derzeit noch nicht für Männer gibt. Gute Multimedia-Ideen und bestechende Umsetzungen sind indes keine Domäne etablierter Anbieter in dieser noch jungen Branche.Auch unter den Berufsanfängern gibt es nicht wenige Talente, wie der "Screenhorn"-Wettbewerb des Magazins "Screen Multimedia" zeigte.Das Magazin hatte Universitätsabgänger und Teilnehmer von Multimedia-Aus- und Weiterbildungen aufgefordert, ihre Arbeiten einzureichen.Aus den 43 Einsendungen wurden zehn ausgewählt und die Macher zum DMMK eingeladen.Das Interessante aus Berliner Sicht: Immerhin vier Exponate stammen aus der Hauptstadt. Zu den besonders augenfälligen Produktionen gehört die Arbeit der Gruppe Hotspot, die für den Ostberliner Kunstverein Shift eine virtuelle 3D-Galerie auf CD-ROM-Basis schufen.In ihrer Abschlußarbeit bei CimData setzten die drei Frauen zusammen mit ihrem Kollegen sämtliche Multimedia-Techniken von 3D-Modelling bis zur Einbindung von Videosequenzen ein.In Anlehnung an die jeweiligen Vernissagen versuchten sie, die besondere Stimmung jeder der insgesamt elf Ausstellung in das elektronische Medium zu übertragen.Ein Beispiel: Die Ausstellung von Ira Schneider zeigte Fernseh-Pausenfüller.Den Vernissage-Besuchern wurden dazu Pausenbrote gereicht.In der CD-ROM-Präsentation kann dieser Bereich folgerichtig erst betreten werden, nachdem ein Butterbrot mit Wurst und Käse belegt wurde.Zu den Absolventen von CimData gehört ebenso Alexander Steffen, der mit seiner Präsentation "The Beat Generation - A Fotolovestory" nach Stuttgart eingeladen wurde. Liebe zum Detail zeigte auch die Arbeit unter dem Namen "Klapperkasten", die von drei Teilnehmerinnen des Multimedia-Screendesigner-Kurses der Berliner Media Design Akademie erstellt wurde.Bei der CD-ROM handelt es sich um eine Anwendung für Kinder.Der virtuelle Kater Lucy bewohnt eine karge Höhle, die er nicht verlassen darf.Die Spieler haben nun die Aufgabe, seine Umgebung durch Formen, Farben und Strukturen so angenehm wie möglich zu gestalten.Für die drei Absolventen hat sich diese "Spielerei" bereits ausgezahlt.Angespornt durch den Erfolg haben sie inzwischen die Multimedia-Agentur "Chilli Con Graphics" gegründet. Auch Sabine Gaßner hat bewiesen, daß der ambitionierte Umgang mit den neuen Medien eine gute Eintrittskarte in eine Festanstellung sein kann.Die Teilnehmerin der Weiterbildung zum "Multimedia-Producer" bei SAE in Berlin arbeitet inzwischen fest bei Virtual Heaven.Auf dem DMMK in Stuttgart präsentierte sie ihre CD-ROM "Pferdetour über die Anden", ein interaktiver Reiseführer, der auf den Spuren des Befreiungskämpfers José Marti von Argentinien nach Chile führt.Und umziehen muß man sich für diese Abenteuerreise auf dem Pferderücken ebenfalls nicht.Die CD-ROM ist nicht für die Nutzung unterwegs gedacht, sie dient vielmehr der interaktiven Reisevorbereitung.

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