Zeitung Heute : Einmal Ausland – und zurück

Für Jobkandidaten mit Fernweh sind mittelständische Arbeitgeber oft besser als Großkonzerne oder internationale Organisationen

Regina-C. Henkel

Ihr Arbeitsplatz: Die Welt – so werben Konzerne und internationale Organisationen um Jobkandidaten. Um ihre Produkte und Dienstleistungen im „globalen Dorf“ vermarkten zu können, suchen die Arbeitgeber Personal für ihre Auslandsrepräsentanzen. In den Stellenanzeigen kommen deshalb Vokabeln wie „fern der Heimat“, „ganz sicher nie langweilig“ und „anspruchsvoll“vor.

Anspruchsvoll sind freilich auch die Erwartungen der Arbeitgeber. Um sich für eine Auslandsentsendung bei einem Gobal Player oder einer großen Organisation zu qualifizieren, müssen Kandidaten oft Prädikatsexamina nachweisen und Eignungstests bestehen. Kleine und mittelständische Betriebe sind da meist offener. Für sie stehen Eigeninitiative und Flexibitität im Vordergrund.

Aus gutem Grund: Am Sitz ihrer ausländischen Kunden, Partner und Zulieferer präsent zu sein, ist für immer mehr Mittelständler ein Muss. Bundesanstalt für Arbeit, Handels- und Handwerkskammern, Verbände und Vereine haben ihr Wissen darum in Projekte umgesetzt. Und die haben für Jobkandidaten mit Fernweh oft mehr Charme und Informationswert als manch ausgefeiltes Programm der Big Player im Automobilbau, bei Banken oder in der IT-Industrie.

Eigeninitiative zeigen

Das Informationspaket zum Thema Auslandsentsendungen der IHK Münster ( www.ihk-muenster.de ) beispielsweise ist zwar eigentlich für Arbeitgeber gedacht. Doch Internetlinks zu Außenhandelskammern ( www.ahk.de ) oder Firmenpools ( www.nrw-firmenpooltage.de ) nutzen auch jedem umzugswilligen Mitarbeiter – so er die IHK-Grundbotschaft verstanden hat. Die heißt offiziell: „Für Betriebe bedeutet eine Entsendung immer auch eine finanzielle und personelle Belastung.“ Im Klartext: Wer von seinem mittelständischen Arbeitgeber ins Ausland entsendet werden möchte, sollte seinem Chef die Vorteile für den Betrieb aufzeigen. Argumente gibt es wahrlich genug.

Eins der besten: Innerhalb der EU hat Jobmobilität kaum noch Hürden. Ab Mai 2004 werden die sozialversicherungsrechtlichen Absicherungen der Binnenmarktregelungen – mit einigen Einschränkungen – auch für die zehn neuen Beitrittsländer gelten. Theoretisch kann ein Mitarbeiter aus Berlin dann genauso leicht in Prag, Riga oder Budapest arbeiten wie in Zwickau oder Lyon.

Praktisch sieht es mit „Arbeiten in Europa“ noch etwas anders aus. Die Europa- und Auslands-Hotline der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung ( 0180 / 522 20 23, acht bis 20 Uhr) wird zwar jährlich von mehr als 100 000 Anrufern genutzt, doch tatsächlich vermitteln lassen sich nicht einmal 3 000 Jobkandidaten. Die „Big Five“ der im Jahr 2002 gefragtesten Länder: Österreich: 762 Vermittlungen, vor allem im Handwerk und Tourismus. Schweiz: (513), Bau und Metall. Spanien: (385) Tourismus. Niederlande: (348) Bau und Handwerk. Norwegen: (190) Bau.

Dass es überwiegend Akademiker in die Ferne zieht, ist ein Vorurteil. ZAV-Sprecherin Sabine Seidler: „79 Prozent der von uns vermittelten Arbeitnehmer sind Fachkräfte.“ Dabei räumt sie ein: „Die ZAV ist eine wichtige Adresse, aber natürlich gehen auch viele auf eigene Faust ins Ausland oder wenden sich an andere Stellen.“

Das könnte zum Beispiel die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung ( www.blk-bonn.de ) sein, die mit der Bundesanstalt für Arbeit ( www.arbeitsamt.de ) ein pralles Informationsangebot geschnürt hat ( www.berufswahl.de/fmg.htm ) – etwa über die Governmental Organizations . Die Jobs bei den etwa 200 völkerrechtlichen Zusammenschlüssen unterliegen jedoch Quotenregelungen und verlangen meist exzellente Hochschulabschlüsse. Non Governmental Organizations sind nicht ganz so anspruchsvoll, werden aber mit Bewerbungen nahezu überschüttet.

Weitere Infos im Internet:

www.bundesverwaltungsamt.de , www.detmold.ihk.de , www.cedefop.gr , http://europa.eu.int , http://citizens.eu.int , www.germanexpats.com , www.zav.de

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