Zeitung Heute : Einsicht aus praktischen Gründen

SANDRA LUZINA

Kultursenator Peter Radunski zum Zusammenschluß der drei Berliner OpernballetteVON SANDRA LUZINADie Berliner Kulturpolitik bewegt sich.Senator Radunski beglückte das internationale Tanzfest gleich mehrfach mit seiner Präsenz.Das gut besuchte Festival nahm er zudem zum Anlaß, seine Pläne zur bevorstehenden Neutstrukturierung der Berliner Tanzszene zu präzisieren.Was sich schon im sogenannten Kreisepapier als "profilierte und komprimierte Lösung" abzeichnete, ist nun beschlossene Sache.Die drei Berliner Ballettensembles werden innerhalb der nächsten zwei Jahre zu einer neuen, eigenständigen Organisationsform fusioniert, das "BerlinBallett" wird aus einer klassischen und einer modernen Kompanie bestehen. Dem Senatsbeschluß, der noch das Parlament passieren muß, war eine monatelange, leidige Debatte vorausgegangen.Vor allem die Intendanten Götz Friedrich und Georg Quander hatten sich mit Händen und Füßen gegen die Herauslösung der Ballettensembles aus den Opernhäusern gewehrt, sahen in der Autonomiebestrebung des Balletts gleich den Untergang der Kunstform Oper.Ob sie nun die Kröte geschluckt haben und sich als kooperationswillig erweisen? Im Gespräch gab der Senator sich zuversichtlich, daß endlich Einsicht eingekehrt - schon aus praktischen Gründen.Bei sinkenden Subventionen bleibe den Intendanten gar nichts anderes übrig, als mehr Tanz auf der Bühne zu zeigen.Als Pragmatiker wollte er mit denen arbeiten, die da sind, sagt der Senator.So befürwortet er auch die anstehende Vertragsverlängerung von Mark Jonkers, des Ballettdirektors der Komischen Oper.Doch die Entwicklungshilfe soll dennoch von außen kommen.Für die Ausarbeitung des Konzepts BerlinBallett soll eine Persönlichkeit verpflichtet werden, die vornehmlich über Managerqualitäten verfügt.Im Gespräch sind Martin Steinhoff, geschäftsführender Intendant der Städtischen Bühnen Frankfurt, und Gerhard Brunner, Generalintendant der Vereinigten Bühnen Graz. An den Opern sei der Tanz bislang eher ein Abfallprodukt, bedauert der Senator.Im vertraulichen Gespräch haben ihm zudem viele Tänzer erklärt, daß sie sich unterfordert fühlen - vor allem durch die vielen Operneinlagen.Ob die Hauptstadt, die doch so gern Tanzmetropole werden möchte, durch die Gründung des BerlinBalletts ihrem Ziel näherrückt? Denn natürlich verbirgt sich hinter der Neustrukturierung auch eine Sparmaßnahme.Derzeit investiert Berlin mehr als 30 Millionen Mark in Ballett und Tanz, davon entfallen rund 26,5 Millionen auf die drei Ballettensembles der Opernhäuser.Über die zu erwartenden Kürzungen wollte der Senator sich nicht äußern, doch beteuerte er: "An erster Stelle steht die Qualitätsverbesserung".Der Zusammenschluß der drei Ensembles zum BerlinBallett werde eine Reduzierung der Tänzerstellen von derzeit 165 auf 120 zur Folge haben. Die Suche nach den sehnsüchtig herbeigewünschten Spitzenchoreographen wird derzeit nicht vorangetrieben."Erstmal muß ich eine Compagnie haben," gibt sich Radunski überzeugt, "dann bekomme ich auch einen ordentlichen Choreographen".

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