Zeitung Heute : Eintracht Frankfurt: und Matthäus kann doch Nein sagen

Hartmut Scherzer

Es war die Spitzenmeldung der 12-Uhr-Nachrichten im Hessischen Rundfunk (HR), bis "High Noon" und darüber hinaus das Ereignis des Tages: "Lothar Matthäus hat der Eintracht abgesagt und steht als Teamchef nicht zur Verfügung." Die Fangemeinde freut sich, die Eintracht AG ist betroffen. "Wir sind überrascht und enttäuscht", verkündete der Vorstandsvorsitzende Steven Jedlicki. Wie verabredet, hatte sich Matthäus am Montag vormittag um 9.40 Uhr bei Jedlicki über Handy gemeldet, um seine Entscheidung mitzuteilen. "Es tut mir leid, dass ich absage", seien seine ersten Worte gewesen, verriet Jedlicki. Vor ihm auf dem Schreibtisch lag Lothars Sprachrohr ("Bild") mit der hoffnungsvollen Schlagzeile: "Matthäus schon beim nächsten Heimspiel auf der Bank?" Zu früh gefreut.

Auch Jedlicki war optimistisch gewesen, dass sein Favorit auf die Nachfolge Felix Magaths zusagen würde. Doch der Rekordnationalspieler scheute letztlich das Risiko in Frankfurt und beendete nach einem schlagzeilenträchtigen Flirt mit der launischen Diva vom Main das Techtelmechtel. Die kurze Affäre dürfte aber einen nachhaltigen Effekt haben. Die Liga weiß jetzt: Lothar Matthäus (39) ist als Teamchef auf dem Markt.

"Vielleicht haben die Fan-Proteste ihn im Unterbewusstein davon abgehalten, nach Frankfurt zu kommen", räumte Jedlicki ein, obwohl Matthäus ihm gegenüber versichert habe: "Frankfurt und die neuen seriösen Führungsstrukturen der Eintracht sind für mich eine große Herausforderung. Die Fans werde ich mit der Zeit überzeugen." Hätte Matthäus ja gesagt, hätte der Aufsichtsrat das Konzept mit dem prominenten Teamchef noch genehmigen müssen. Jedlicki ist sicher, dass das Gremium zugestimmt hätte, hat hier doch die AG mit 7:4 Stimmen gegenüber dem Verein das Sagen.

Die Londoner Zentrale des strategischen Partners Octagon, der mit einer Einlage von 50 Millionen Mark 49,9 Prozent Anteile erworben und den Verein vor dem finanziellen Kollaps bewahrt hatte, stand voll hinter dem Konzept mit dem "Global Player" Matthäus. Doch Volkes Stimme, an dessen Spitze sich in einem internen Machtkampf der Vereinspräsident Peter Fischer gestellt hat, war dagegen. Bis Fan-Favorit Christoph Daum oder wer auch immer nun Cheftrainer bei der Eintracht wird, werden Sportdirektor Dohmen und Amateur-Trainer Armin Kraaz bis zum Saisonende die Mannschaft betreuen.

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