Zeitung Heute : Eiserne Faust in Berlin Mitte

Gesucht: Der deutsche Meister im virtuellen Kickboxing

Gregor Wildermann

Wer schon mal bei internationalen Sportveranstaltungen war, kennt den Anblick. Die Sportler reisen in Bussen an, tragen übergroße Taschen für ihre Sportutensilien. In der Sporthalle sieht man überall Werbeplakate bekannter Sponsoren und an strategisch wichtigen Punkten steht eine Fernsehkamera. Wenn am 25. Januar in Berlin der „King of Iron Fist“ gesucht wird, dürften in der Französischen Straße ähnliche Verhältnisse herrschen. Allerdings werden da die „Sportler“ nur ihre Finger brauchen, denn in der deutschen Vorentscheidung zum Tekken 4-Finale in London (Mitte März) geht es um ein Videospiel, genauer gesagt um ein Prügelspiel oder neudeutsch: „Beat Em-Up“.

Wie geht das? Jeweils zwei Figuren mit blumigen Namen wie Eddy Gordo oder Ling Xiaoyu treten in einer virtuellen Arena gegeneinander an. Festgelegte Tastenkombinationen auf dem Controller ergeben Dutzende von Schlagkombinationen mit Namen wie „Shredder“ der „Bone Breaker“, deren Wurzeln vor allem in den Kampfsportarten wie Kung-Fu oder Kickboxing liegen oder einfach nur frei erfunden sind. Gerade die Vielzahl an Schlagmöglichkeiten sowie das schnelle Spieltempo erfordern wie bei einer richtigen Sportart langwieriges Training für Finger und Gedächtnis. Die Tekken-Serie hat sich neben seinem Konkurrenten „Virtua Fighter“ als einer der populärsten Titel auf der PlayStation und seinem Nachfolgegerät etabliert. Im Vorfeld zum Berliner Event gastiert seit Donnerstag auf dem Potsdamer Platz ein Trainingsbus, in dem auch Neulinge einen ersten Schlag wagen können.

Bei der Endausscheidung im „Fight Club“ kann jeder mitmachen, der sich über die Website mit Adressdaten und „Fightname“ angemeldet hat. Um 9 Uhr morgens werden dann die ersten Kämpfe im K.O.-System ausgetragen. Jeder Spieler darf mehrmals antreten und erst später entscheidet sich, wer „Loser“ oder „Winner“ ist. Im Rahmenprogramm des Events treten auch echte Sportler an, wie Mirdi Limani, Sifru Emanuel Bettencourt oder Mirella Kunzmann. Sie sind deutsche Meister in Sportarten wie Wun Hop Kuen Do, Capoeira oder Kickboxing.

Beim Finale in London wird der deutsche Teilnehmer auf Spieler aus 20 Nationen treffen. Erste Finalisten sind auf der Website schon mit Foto abgebildet. Als Hauptpreis erhält der Gewinner einen Tekken-4-Spielautomaten, was im Vergleich zu anderen E-Sports-Events eher bescheiden ist. Im letztjährigen „King of Style“ für das Skateboardspiel „Tony Hawk Pro Skater“ gewann der Finalist einen Flug zu den Summer-X-Games in Philadelphia.

Link zur Thema:

www.tekken-4.com

www.worldcybergames.com

www.esports-united.com

www.ivsa.de

www,mymog.net

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