Zeitung Heute : EKLAT UM FILM "NICHT OHNE MEINE TOCHTER": Iran droht empört mit Abreise

PARIS/TEHERAN .Iranische Diplomaten in Paris haben am Mittwoch den ersten politischen Eklat der Fußball-Weltmeisterschaft ausgelöst.Nach der Ausstrahlung des iran-kritischen Films "Nicht ohne meine Tochter" im französichen Fernsehen drohten sie mit dem Rückzug ihrer Mannschaft - des dritten deutschen WM-Gegners - aus dem Turnier.Außerdem reichte Iran einen Protest bei der Vertretung Frankreichs in Teheran ein und verlangte nach einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur IRNA eine offizielle Entschuldigung aus Frankreich.Dabei blieb unklar, ob sich die französische Regierung oder der Privatsender "M6" entschuldigen soll.

Das französische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück und betonte in einer Stellungnahme: "In Frankreich sind die Medien unabhängig." Der Staat könne nicht in die Gestaltung eines unabhängigen Fernsehsenders eingreifen.Die 1990/91 entstandene, am Montag abend in Frankreich ausgestrahlte Hollywood-Produktion beruht auf dem gleichnamigen Buch der Amerikanerin Betty Mahmoody.Sie war in den 80er Jahren mit ihrer Tochter aus Iran geflüchtet.Nach Ansicht der iranischen Botschaft in Paris ist der Film "anti- iranisch".

Eine Entscheidung über einen Rückzug Irans von der WM sollte nach den Worten eines Botschaftssprechers noch vor dem politisch brisanten Spiel am Sonntag gegen die USA fallen.In Teheran war bis zum Abend nicht klar, ob es sich um die persönliche Meinung eines iranischen Diplomaten oder um den Standpunkt des Außenministeriums gehandelt hat.

Der Internationale Fußball-Verband (FIFA) wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben."Wir warten ab, bis uns ein offizielles Dokument erreicht", sagte FIFA-Pressechef Keith Cooper."Für uns ist der offizielle Weg nicht die iranische Botschaft, sondern der iranische Fußballverband." Das FIFA-Reglement sieht bei einem Rückzug den Ausschluß des entsprechenden Landes für die nächste WM, 100 000 Schweizer Franken Strafe sowie Schadensersatz für alle der FIFA entstandenen Kosten - bei der Frankreich-WM auf zehn Millionen Mark pro Spiel geschätzt - vor.

FIFA-Präsident Joseph Blatter geht aber davon aus, daß trotz der Drohung die Begegnung gegen die USA in Lyon "gut verlaufen" werde.Er hatte auch mitgeteilt, daß anonyme Drohungen für Störungen des Spiels durch iranische Gruppen eingegangen seien, um auf die Situation im Land aufmerksam zu machen.Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) rechnet nicht mit dem Rückzug des Gruppen-Gegners."Wir gehen unverändert davon aus, das Spiel am 25.Juni in Montpellier gegen Iran wie geplant zu absolvieren", sagte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach in Nizza.

Am Dienstag hatten bereits iranische Nationalspieler der französischen Regierung heftige Vorwürfe wegen der Ausstrahlung des Films gemacht."Wir haben bei der FIFA nachgefragt, welche Rolle die französische Regierung in dieser Angelegenheit spielt", erklärte der beim 1.FC Köln spielende Khodadad Azizi bei einer eigens anberaumten Pressekonferenz im Mannschaftsquartier in Yssingeaux.

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