Zeitung Heute : Elfmeter-Verbot für Polster

TOULOUSE (sid).Auf dem Weingut "Margaux" nahe Bordaux herrscht Katerstimmung.Selbst Österreichs Mannschafts-"Komiker" Toni Polster ist das Lachen vor dem Fußballfest vergangen.Die Einsamkeit des insgesamt 430 000 Mark teuren WM-Quartiers, Disharmonien im Kader und eigene "mentale Promleme" nach dem Bundesliga-Abstieg mit dem 1.FC Köln machen dem Torjäger vor dem ersten Gruppenspiel heute (21 Uhr) in Toulouse gegen Kamerun arg zu schaffen."Wir haben ein gemeinsames Ziel, müssen uns endlich als Mannschaft präsentieren und eigene Interessen zurückstellen", appellierte der 34jährige an seine Kollegen.

Polster selbst ging mit gutem Beispiel voran.Verhandlungen mit neuen Klubs hat er angeblich bis nach der WM zurückgestellt.Doch Insider wollen wissen, daß sein Wechsel zu Borussia Mönchengladbach längst beschlossene Sache ist.Versteckte Sticheleien aus dem Kader nach seinen zuletzt mäßigen Leistungen in den Testspielen haben beim "Alpenbomber" Spuren hinterlassen.Teamchef Herbert Prohaska stellte aber klar: "Toni Polster ist und bleibt als einzige Sturmspitze gesetzt." Zu allem Überfluß hat Österreichs "Sportler des Jahres 1997" seine Kaltschnäuzigkeit am Elfmeterpunkt verloren.Die letzten drei Strafstöße verschoß Polster, und auch im Training in Bordeaux zeigte er Nerven.Prohaskas Konsequenz: Polster erhielt für die WM ein Elfmeter-Verbot.Mit fünf Bundesliga-"Legionären" (Polster, Feiersinger, Herzog, Pfeiffenberger, Cerny) wird Österreich gegen Kamerun beginnen.

Die "Löwen" aus Afrika strotzen vor Selbstbewußtsein."Wir sind mental so stark wie kein anderes Team auf unserem Kontinent.Wir sind die Deutschen Afrikas.Die Spieler sind bereit, alles zu geben und auf dem Rasen zu sterben", ließ Trainer Claude Le Roy wissen.Erst vor zweieinhalb Monaten hatte er das Amt angetreten und den Kampf gegen das Chaos im Team und Verband zumindest vorübergehend für sich entschieden.Soziale Differenzen durch die unterschiedliche Stammeszugehörigkeit von Spielern hat der Trainer-Weltenbummler offensichtlich in den Griff bekommen.

Nach dem Desaster bei der WM 1994 in den USA, als Kamerun in der Vorrunde sang- und klanglos ausschied, ist Wiedergutmachung angesagt."Die Mannschaft ist reifer geworden", erklärt Stürmer Alphonse Tchami von Hertha BSC.Schnelligkeit und Technik sind die Trümpfe der Afrikaner, die 1990 in Italien sensationell das WM-Viertelfinale erreichten.Le Roy: "Wir können im Gegensatz zu Österreich ohne Druck auflaufen."

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