Zeitung Heute : Elisabeth von Eicken

Fröhliche Ostsee

Bernd Matthies

VON TISCH ZU TISCH

Was? Dieses Jahr noch nicht an der Ostsee gewesen? Das wäre eher ungewöhnlich, denn inzwischen rangeln die Berliner Autos mit den Hamburgern längst schon in der Neben-Nebensaison um die Parkplätze in den touristisch interessanten Orten. Wer auf dem Darß ein gutes Hotel mit Schwimmbad und Sauna betreibt und keine ganz idiotischen Fehler begeht, der kommt gut auf seine Kosten.

Normalerweise müsste diese Lebensregel auch für Restaurants gelten, doch die gibt es dort ja nicht, jedenfalls nicht in der Qualität, die wir in dieser Rubrik gern hätten. Vermutlich liegt es daran, dass der typische Gast dort droben eher Halbpension bucht, sich im Apartment selbst bekocht – oder gleich den küstentypischen Tagesablauf exerziert: ausführlich frühstücken, herumlaufen, gegen zwei ein Stück Kuchen essen, weiter laufen, um fünf zum Abendessen Dorsch in Senfsauce, dann ein wenig Fernsehen, anschließend zügiges Einschlafen.

Nichts dagegen! Doch leider bringt dieser Hedonismus light die Gastronomie nicht voran, und deshalb ist es umso wunderbarer, dass sich im viel besuchten Ahrenshoop nun doch ein Restaurant findet, das die Maßstäbe höher legt. Das „Elisabeth von Eicken“ knüpft mit Namen und Design an die Vergangenheit des Ortes als Künstlerkolonie an; ich nehme den Begriff „Design“ aber mit dem Ausdruck des Bedauerns gleich wieder zurück, weil hier ein traditionelles Ostseehaus – ehemals Kino des Ortes – mit minimalistisch weißem Dekor und viel moderner Kunst licht und maritim gestaltet wurde, so, dass es eben nicht so aussieht wie all die Restaurants von der Stange.

Im Stockwerk drüber hat die Berliner Galeristin, die das Ganze gegründet hat, eine kleine Galerie eingerichtet, und es gibt sechs überwiegend kleine, verwinkelte Zimmer, deren Einrichtung ebenfalls von Künstlern wie Elvira Bach und Gert Mackensen entworfen wurde. Das müsste anspruchsvollen Gästen gefallen, die Worpswede inzwischen zu kunstgewerblich finden, und die Küche macht es sowieso fast allen Recht.

Der Küchenchef Oliver Haas, ein gebürtiger Elsässer, kocht leichte, fröhliche Gerichte, die die mitteleuropäischen Motive munter hin und her werfen – elsässisch geprägt ist sie nur ausnahmsweise, regionale Motive nimmt sie kaum auf, doch diese Lücke füllen ja alle anderen Restaurants am Ort.

Aber Fisch gibt es natürlich. Also serviert Haas kleine, meereswürzige Knurrhahnfilets auf Spitzkohl, oder brät ein großes, saftig-festes Stück Heilbuttfilet, das sich auf dem Teller mit grüner Rucolabutter und akkurat gerührtem Tomaten-Pinienkern-Risotto reizvoll begleitet sieht. Dem etwas braven Kalbsrücken helfen Portweinlinsen auf die Beine, falls man das so sagen kann, und das feine Geflügelleberparfait wird aufgewertet durch die sanfte Süße eines warmen, ganz leicht mit Vanille akzentuierten Kürbiskompotts. Dann noch einen knusprigen Birnenstrudel mit Rotweineis, und der kulinarische Frieden mit der Ostseeküste ist beschlossene Sache. (Vorspeisen circa zehn Euro, Hauptgänge um 20 Euro.)

Zumal der Service stets auf der Höhe ist und Weine serviert, die im Niveau zur Küche passen. Viele deutsche, italienische, spanische und französische Gewächse zu freundlichen Preisen werden geboten, dazu erfreulich viele offene Weine, die nicht möglichst billig, sondern möglichst gut sein sollen: Wir tranken einen vorzüglichen Riesling von Clemens Busch (Mosel), der neben einem guten Dutzend anderer Schoppenweine stand. Serviert wird professionell, gewitzt und freundlich, und so ist meine Empfehlung wenig riskant. Vom Berliner Stadtrand sind es mit dem Auto zwei Stunden…

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