Zeitung Heute : Elite-Hochschule ins Schloss?

Der Tagesspiegel

Pankow. Jetzt geht auch der Bezirk Pankow ins Rennen um den Standort für die neue Berliner Elite-Universität. Einen entsprechenden Antrag haben die CDU und die PDS am Mittwochabend in die BVV eingebracht. Das Bezirksamt wurde ersucht, sich für eine Ansiedlung am Standort des Schlosses Schönhausen einzusetzen.

Führende deutsche Unternehmen, darunter die Deutsche Bank AG, DaimlerChrysler, Thyssen-Krupp und die Hertie-Stiftung, setzen sich für die Hochschule mit dem vorläufigen Titel European School for Management & Technology (ESMT) ein. Sie soll im internationalen Wettbewerb in der Top-Liga mitspielen können und sich aus Studiengebühren und Stiftungskapital finanzieren. „Das Areal rund um das Schloss ist als Universitäts-Standort ideal“, sagt der Pankower Baustadtrat Martin Federlein. Er sei idyllisch mitten im Grünen gelegen und trotzdem nur 15 Minuten vom Alexanderplatz entfernt. Der zu DDR-Zeiten errichtete Gebäudekomplex diente schon den damaligen Machthabern als Hotel und Kongresszentrum. Seit rund vier Jahren stehe das Hotel leer, müsse vom zukünftigen Nutzer also noch hergerichtet werden. Der Kongresssaal dagegen werde noch heute regelmäßig genutzt. Der Bezirk Pankow habe sich mit dem Campus Buch schon als geeigneter Wissenschaftsstandort erwiesen, sagte Federlein weiter. Eine Zusammenarbeit der neuen Universität mit dem in Buch ansässigen European College of Liberal Arts sei nicht nur denkbar, sondern wünschenswert.

Noch ist über den Standort der Elite-Universität nach dem Vorbild der Harvard-Universität nicht entschieden. Das Staatsratsgebäude ist ebenso in der Diskussion wie die Alte Münze am Molkenmarkt. Auch der Bezirk Lichtenberg hat der Universität ein Standortangebot gemacht. Der Bezirk biete ideale Baustandorte an der Köpenicker Allee und der Waldowallee, so Bezirksbürgermeister Wolfram Friedersdorff. Ein Bebauungsplan werde mit höchster Priorität bearbeitet.

Ein Antrag des Industrie- und Bankenkonsortiums liege noch nicht vor, sagte Thorsten Wöhlert, Sprecher von Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS). Aus der bekannten Tatsache, dass eine internationale Expertenkommission das Staatsratsgebäude lieber als Medien- und Kommunikationszentrum der Bundeszentrale für politische Bildung sehen will, schloss eine Zeitung schon auf das Scheitern des Projekts.

„Der Senator ist geneigt, sich der Expertenkommission anzuschließen“, sagt Wöhlert, „aber es gibt viele andere attraktive Standorte in Mitte. Daran wird das Projekt nicht scheitern.“ Auch in einem weiteren Punkt will der Berliner Senat der Initiative entgegenkommen: dem Promotionsrecht. „Das Hochschulgesetz könnte schon bei der nächsten kleinen Novelle in diesem Jahr geändert werden.“ Private Unis brauchen eine extra Genehmigung für Promotionen.

Private Weiterbildungseinrichtungen auf Hochschulniveau gibt es reichlich, auch in der Hauptstadt. Das „European College of Liberal Arts“ in einem Gebäude des ehemaligen Klinikums Berlin-Buch wird ab Herbst ein einjähriges „Studium generale“ für Abiturienten und Hochschulabsolventen anbieten. Die nach Begabung ausgewählten 70 Studenten zahlen dafür jährlich 9000 Euro inklusive Unterkunft und Verpflegung. Das Abschlusszertifikat ist ein vor allem in den angelsächsischen Ländern anerkannter Master of Arts. Im Kuratorium sitzen Vertreter von McKinsey, der Deutschen Bank und DaimlerChrysler Services, die auch bei der geplanten ESMT mit dabei sind.

Privat finanziert ist auch die International Business School Berlin. Die dreisprachigen IBS-Studenten schließen nach sechs Semestern mit einem internationalen Betriebswirtdiplom ab. Die IBS Berlin bezog gerade einen Neubau im Westteil der Stadt.

Die ESMT würde noch einmal einen deutlichen Prestigesprung für die Hauptstadt bringen. Mit den Zinsen aus einem Stiftungskapitel im dreistelligen Millionenbereich sollen dem Vernehmen nach 80 hochrangige Professoren bezahlt werden, um einem handverlesenen Managementnachwuchs den letzten Schliff für den Einsatz in den Führungsetagen internationaler Wirtschaftsunternehmen zu geben. akl/dpa

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