Zeitung Heute : Empfehlungen für den Nachfolger

Werner Knopp als Präsident der Preußen-Stiftung, verabschiedetStehende Ovationen hat die Rotunde des Alten Museums wohl nur selten gesehen.Gestern galten sie dem scheidenden Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Werner Knopp, nach seiner Abschiedsrede.In Anwesenheit des Bundespräsidenten und - wie es Bundesinnenminister Manfred Kanther als Vorsitzender des Stiftungsrates formulierte - "tout Berlin" rief Knopp noch einmal die Leistungen seiner exakt zwanzig Jahre und knapp sieben Monate währenden Amtszeit in Erinnerung, als deren Höhepunkt er einmal mehr die "kleine Wiedervereinigung" der ehemals preußischen Einrichtungen in Ost und West der Hauptstadt bezeichnete.Knopp betonte, "daß wir uns durch die Wiedervereinigung nicht nur um Kulturgut, sondern auch und vor allem um Menschen bereichert fühlen".In einem kulturpolitischen Ausblick beschwor Knopp erneut die Einheit der Stiftung und erteilte allen Gedankenspielen um eine Aufteilung in kleinere Einheiten eine deutliche Absage.Auch den Gedanken einer Nationalstiftung, die die Preußenstiftung ersetzen und erweitern könnte, hält Knopp nicht für praktikabel.Er sehe anstelle der bisherigen Stiftungskonstruktion "bis heute keine Lösung, die dies in gleich verfassungskonformer Weise leisten könnte".Als Warnung an seinen noch zu bestimmenden Nachfolger durfte Knopps Mahnung verstanden werden, der Stiftungspräsident sei "eben kein Intendant oder gar Impresario mit Durchgriff auf alles und jedes, sondern nur der Ermöglicher, gegebenenfalls auch Anreger, aber nie der Lenker oder gar Gängler freier kultureller Arbeit".Vor Knopp hatte Klaus-Dieter Lehmann, Generaldirektor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt / Main und zugleich Vorsitzender des Beirats der Stiftung, die Verdienste des Präsidenten gewürdigt.Lehmann ist einer der beiden als aussichtsreich geltenden Kandidaten, über die der Stiftungsrat im Februar befinden will, nachdem sich Bund und Länder bislang nicht auf einen Nachfolger haben einigen können.Auch der andere Favorit, der Chef des Deutschen Historischen Museums, Christoph Stölzl, war zugegen.In einer allgemein als Standortbestimmung verstandenen Ansprache bekannte sich Lehmann ausdrücklich zur Kontinuität der Stiftungsarbeit und erteilte allen Spekulationen über eine Aufteilung in Museums- und Bibliotheksbereich, die bislang auch mit seiner Person verbunden waren, eine deutliche Absage.Lehmann präsentierte sich als Mann des föderalen Prinzips, das nach der Wiedervereinigung für die Konstruktion der Stiftung bewahrt zu haben sich Knopp als Lebensleistung anrechnet.Nach Lehmanns vom demonstrativen Beifall der Stiftungs-Mitarbeiter begleiteten Rede ging die Laudatio von Hilmar Hoffmann, dem Präsidenten des Goethe-Instituts, etwas unter, ehe sich die Aufmerksamkeit gebannt auf die Zwischentöne des eingangs vom Regierenden Bürgermeister Diepgen als "Verkörperung preußischer Tugenden" und "vorzüglicher Repräsentant" gelobten Knopp richtete.Aus Kanthers Händen empfing Knopp seine Entlassungsurkunde.Mit Ablauf des Monats tritt er in den Ruhestand.

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