Zeitung Heute : Ende eines Glanzstücks

HEIK AFHELDT

Geld regiert die Welt - gut oder schlecht.Die Deutsche Mark, die am 20.Juni ihren 50.Geburtstag feiert, hat ihre Welt in den fünf Jahrzehnten gut regiert.Das attestieren ihr alle Festredner hier im Lande und draußen in der Welt.Das deutsche Wirtschaftswunder war eben nicht nur Ergebnis deutscher Tüchtigkeit, eines durch die fürchterlichen Kriegsjahre aufgestauten Bedürfnisses nach Wohlstand und Sicherheit und einer die Marktkräfte freisetzenden und doch sozial absichernden Wirtschaftsordnung, sondern es war ganz entscheidend die Frucht "guten Geldes".Gut ist Geld, wenn seine Währung auf Vertrauen stößt.Und Vertrauen verdient sie, wenn ihr Wert stabil, sie frei in andere Währungen umgetauscht werden kann und ihr Geld als Zahlungsmittel weithin akzeptiert wird.Das war und ist bei der Jubilarin D-Mark alles garantiert.Nicht von Anfang an und auch nicht ganz makellos, aber im Vergleich zu den meisten anderen Währungen der Welt doch in hohem Maße.So ist die Mark nicht nur zu einer der wichtigsten Anlage- und Reservewährungen geworden, sondern auch zu einer Art Parallelwährung in Ländern, in denen die Bürger in ihr eigenes Geld eben kein ausreichendes Vertrauen haben, wie zum Beispiel in Rußland.Jeder deutsche Tourist hat erfahren, wie gerne seine Mark als Zahlungsmittel im Ausland angenommen wird.Und das, obwohl die Mark im Laufe ihres Lebens rund drei Viertel ihres Wertes durch Inflation verloren hat.

Daß die Jahre außergewöhnlich hoher Raten der Geldentwertung von mehr als fünf Prozent mit den Kanzlerjahren von Willy Brandt (1969 - 1974) und Helmut Schmidt (1974 - 1982) zusammenfallen, zeigt die Grenzen der Einflußnahme der Bundesbank, dieser weltweit geachteten und kopierten unabhängigen Währungshüterin.Und es gemahnt uns alle daran, wie unverzichtbar neben der unabhängigen Zentralbank eine stabilitätsorientierte Wirtschafts- und Finanzpolitik ist.Das gilt ganz unverändert auch für die Zukunft, für die Zeit "nach der Mark".

Daß die D-Mark einmal eine derartige Karriere auf dem unruhigen Parkett der internationalen Finanzwelt machen würde, war ihr nicht in die Wiege gelegt.Die von den Amerikanern gewünschte Reform zur Ablösung der maroden Reichsmark war in entscheidenden Punkten zwischen ihren Fachleuten und den elf deutschen Experten heftig umstritten.Streit aber gab es damals und später auch über den wirtschaftspolitischen Weg, den das Land im Wiederaufbau gehen sollte.Hier hat Ludwig Erhard sich auch gegen Meinungen in der CDU durchsetzen müssen, die von den Vorzügen einer liberalen Wirtschaftsordnung keineswegs überzeugt waren.Vergessen ist heute weithin die Rolle der mit der Währungsreform fast gleichzeitig durchgeführten Steuerreform, die am 22.Juni 1948 in der amerikanischen und britischen Besatzungszone als Gesetz erlassen wurde.Für sie hatten sich deutsche Experten wie Alfred Hartmann vehement und gegen die Militärgouverneure eingesetzt.

Letztlich hat die Einführung der D-Mark in den Westzonen auch die Spaltung Nachkriegsdeutschlands besiegelt.Weil die Russen sich der Währungsreform nicht anschließen wollten, wurde vom 24.bis 26.Juni für die sowjetische Besatzungszone und Berlin die "Ostmark" eingeführt.In dieser Stadt galt sie parallel neben der "Berliner D-Mark" (mit einem aufgedruckten B), die erst 1949 von der D-Mark abgelöst wurde.Die Ostmark hat ihren 50.Geburtstag nicht mehr erlebt - gottseidank.Das gute Geld hat sich gegen das schlechte Geld durchsetzen können.Der Glanz der D-Mark hat die Teilung des Landes, die sie einmal bewirkt hat, wieder aufgehoben.Gutes Geld regiert die Welt.

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