Zeitung Heute : Endlich Schluss mit 0190-Dialern?

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Darauf haben viele Internet-Nutzer gewartet. Bundesverbraucherministerin Renate Künast will die User besser vor Nepp mit den 0190-Nummern schützen. Die Ministerin hat vorgeschlagen, mit Änderungen des Telekommunikationsrechts gegen den für Verbraucher teuren Missbrauch von so genannten 0190-Dialern vorzugehen. „Unseriöse Praktiken der Anbieter von Mehrwertdiensten haben ein unerträgliches Ausmaß erreicht“, sagte Renate Künast. Die Dialer-Programme können sich ohne Kenntnis des Users auf dem PC installieren und die Internet-Verbindung künftig unbemerkt über eine teure Nummer herstellen. Meistens fällt das den Verbrauchern erst dann auf, wenn sie ihre überteuerte Telefonrechnung mit einem völlig unbekannten Anbieter auf der Rechnungsliste in den Händen halten.

Genau an diesem Hebel soll der bessere Verbraucherschutz ansetzen: beim Inkasso, bei der Telekom. Über sie kommen die Anbieter von Mehrwertdiensten (wie 0190-Dialer) erst zu ihrem Geld, da die anfallenden Kosten von der Telefongesellschaft eingetrieben werden. Im schlimmsten Fall kann dies dazu führen, dass auf Grund eines Streits um eine überteuerte Rechnung die Telefonanschlüsse der Verbraucher gesperrt würden.

Inkasso verweigern

Das macht schlechte Stimmung, nicht nur auf dem Konto des Verbrauchers, sondern auch in Richtung Telekom. Deshalb die Forderung aus dem Verbraucherministerium: Netzbetreiber wie die Telekom sollen das Inkasso für Forderungen der Mehrwertdienstanbieter, beispielsweise der 0190-Dialer, nur übernehmen, solange eine Forderung unbestritten ist. Bisher konnten Verbraucher kaum gegen diese Versuche streiten und vorgehen. So verurteilte das Landgericht Berlin die Mutter eines 16-Jährigen zur Zahlung von umgerechnet rund 8700 Euro an den Anbieter eines „PremiumRateService“. Netzbetreiber wie die Telekom berufen sich in solchen Fällen darauf, dass sie die Service-Nummern lediglich weitervermieten. Dieses Überbringer-Prinzip müsse sich ändern, so Künast. „Kurzfristig ermuntere ich die Netzbetreiber, allen voran die Deutsche Telekom, das Inkasso zu verweigern, wenn eine Forderung eines Telefonkunden bestritten ist, und abgebuchte Beträge zurückzuerstatten.“

So weit, so gut. Was aber, wenn die Netzbetreiber nicht mitziehen? „Die Gespräche mit der Telekom laufen“, sagt Ursula Horzdzky, Sprecherin im Verbraucherministerium. Je mehr die Öffentlichkeit über das Problem rede, desto mehr müsse sich die Telekom zum Handeln gezwungen sehen. Andererseits: Sollte der Telekom ihr Image egal sein, können sich diese Gespräche über Monate hinziehen. Müssen nicht doch Gesetze her? Nachdem Appelle an die Wirtschaft, die Missstände durch kundenfreundliche Maßnahmen auszuräumen, ohne Wirkung geblieben seien, spricht Renate Künast auch mit dem Wirtschaftsministerium. Von dort könnten Gesetzesinitiativen ausgehen, wobei unklar ist, wie die aussehen sollen. Die 0190-Dialer direkt verbieten kann man jedenfalls nicht. Bis die Abzockerei wirklich vorbei ist, gilt der Satz: Aufpassen beim Aufbau einer kostenpflichtigen Netz-Verbindung, die als solche nicht immer erkennbar ist. meh

Hilfe im Netz:

www.dialerhilfe.de

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