Zeitung Heute : Endlos miteinander sprechen

CHRISTIAN BLEES

Die Videoclips dauern selten länger als drei Sekunden, es gibt keine Trickfilmanimationen und auf auf dreidimensionale sowie akustische Effekte hat man völlig verzichtet: Das "DGS Basis-Lexikon" dürfte das wohl unspektakulärste Multimedia-Lexikon sein, das derzeit auf dem deutschen Markt erhältlich ist.Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Deutsche Gebärdensprache, die die meisten der bundesweit etwa 80 000 Gehörlosen beherrschen.



Alphabetisch oder nach Sachgebieten wie Behörden oder Einkaufen geordnet, lassen sich auf der CD-ROM aus einem Fundus von 3000 Gebärden in Sekundenschnelle die gewünschten abrufen, um mit Hörgeschädigten in Dialog treten zu können.Vor allem auch für viele Pädagogen, die Gehörlose unterrichten oder für Familienmitglieder von Hörgeschädigten war es aufgrund des dürftigen Angebots bislang sehr schwierig, die Deutsche Gebärdensprache zu erlernen, so die Erfahrung der Projektgruppe DESIRE (Deaf & Sign Language Research Team) an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Eine Kooperation zwischen DESIRE und MICROBOOKS ermöglicht es jetzt allen Interessierten, die DGS endlich ohne allzu großen Zeit- und Kostenaufwand quasi im Heimstudium am PC-Monitor zumindest zu üben.Der renommierte britische Multimedia-Verlag hatte bereits CD-ROMs in englischer und irischer Gebärdensprache vorgelegt bevor er jetzt die deutsche Produktion finanzierte.



Während Fotos oder Zeichnungen eine Gebärde immer nur als "Momentaufnahme" zum Teil komplexer Bewegungsabläufe wiedergeben können und das Medium Video spätestens beim wiederholten Vor- und Zurückspulen an seine Grenzen stößt, sind die auf der CD-ROM versammelten Gebärden komplett, beliebig oft und zudem in schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten abrufbar.Und auch beim bereits jahrzehntelangen Kampf um eine offizielle Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache kann die Multimedia-Scheibe, so hoffen die Verantwortlichen, vielleicht weiterhelfen.

Denn während das Europäische Parlament die Gebärdensprache bereits 1988 anerkannt und die nationalen Parlamente aufgefordert hatte, dies auch mit den einzelnen Länder-Gebärdensprachen zu tun sowie die Entwicklung von Lexika für die Gebärdensprache voranzutreiben, lassen konkrete Beschlüsse in Deutschland immer noch auf sich warten.

Das DGS-Basis-Lexikon mit mehr als 3000 Gebärden kostet 129, ermäßigt 99 Mark.Außerdem erschienen sind ein Aufbaulexikon (mit 2000 zusätzlichen Gebärden) zum Preis von 69 bzw.49 Mark sowie eine Phrasensammlung (mit 1500 häufig verwendeten Sätzen) für 129 bzw.99 Mark.Bezug ausschließlich über DESIRE, RWTH Aachen, Germanistisches Institut, DPH, Eilfschornsteinstraße 15, 52062 Aachen, Tel.0241/805837, Fax 8888269, Schreibtelefon 806072.E-mail: desire@germanistik.rwth-aachen.de

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