Zeitung Heute : ENDSTATION LYON: Mit Feldverweis für Wörns fängt das Unheil an

MICHAEL ROSENTRITT

LYON .Für die deutsche Fußballnationalmannschaft hat die Weltmeisterschaft ein schmerzhaftes Ende gefunden.Im ausverkauften Stade Gerland zu Lyon unterlag sie im Viertelfinale der Auswahl Kroatiens mit 0:3 (0:1).Der WM-Neuling trifft nun am Mittwoch im Halbfinale in Paris auf die Mannschaft des Gastgeberlandes.Die Deutschen aber, die drei vergebenen Großchancen hintertrauern werden, scheitern mit der ältesten Turniermannschaft schlechthin wie schon 1994 in den USA im Viertelfinale und stehen vor einem großen personellen Umbruch.Nach allem, was nach Spielende zu erfahren war, wird Berti Vogts weiterhin als Bundestrainer arbeiten.

Es sollte eine der besseren ersten Halbzeiten werden, die die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich hinlegte.Wenn da nicht die Nachspielzeit und der Kroate Robert Jarni gewesen wären.In der Nachspielzeit erhielt der linke Außenverteidiger der Kroaten den Ball.Völlig freistehend zog er in halblinker Position ab und überwand mit einem herrlichen Schuß den deutschen Schlußmann Andreas Köpke, der machtlos war.Mit dieser ungerechtfertigten Führung der bis dahin wenig überzeugenden Kroaten, die bei den Deutschen Spuren hinterlassen sollte, ging es in die Pause.

Vogts, der für Thomas Helmer den jungen Jens Jeremies gebracht hatte und mit Michael Tarnat auf der linken sowie Jörg Heinrich auf der rechten Außenbahn begann, konnte über weite Strecken der ersten Halbzeit mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden sein.Ein spielfreudiger Thomas Häßler, der immer wieder die Seiten wechselte, sorgte für Schwung und Offensivkraft.In der 21.Minute verfehlte Dietmar Hamann per Kopf nur hauchdünn das kroatische Tor.

In der 26.Minute kamen die Kroaten zu ihrer ersten Ecke.Bis dahin agierten sie überaus zurückhaltend, geradezu nervös.In der 30.Minute war dann Oliver Bierhoff zur Stelle, dessen Kopfball Drazan Ladic in höchster Not noch von der Linie kratzen konnte.Deutschland hatte das Spiel im Griff, vor allem, weil Hamann und Jeremies immer wieder für Überzahlspiel im Mittelfeld sorgten.Ein Zuordnungsfehler aber brachte Kroatiens Goalgetter Davor Suker in Position, den Christian Wörns nur unfair vom Ball zu trennen wußte.Der norwegische Schiedsrichter Rune Pedersen zögerte keine Sekunde und zückte die Rote Karte.

Heinrich sollte fortan in die Innenverteidigung rücken, wo er es vorzugsweise mit Suker zu tun hatte.So ging es in die zweite Hälfte.Doch das Konzept der deutschen Elf hatte einen ersten tiefen Riß.Die Kroaten erwischten den besseren Start.In der 55.Minute verzog Suker drei Meter vor Köpke völlig freistehend.Ein 0:2 zu diesem Zeitpunkt hätte die Chancen der Deutschen gegen null gehen lassen.Der Bundestrainer höchstselbst hatte nun das Kommando von der Außenlinie aus übernommen.Und wieder sollte die Aufholjagd der Deutschen beginnen, die sie im bisherigen Turnierverlauf auszeichnete.Libero Matthäus trieb das Spiel an.Die Kroaten verließen sich aufs Kontern, wobei sie anfangs noch am starken Köpke scheiterten.20 Minuten vor dem Ende setzte Vogts alles auf eine Karte.Er brachte mit Ulf Kirsten einen dritten Stürmer für Häßler.In der 77.Minute waren die Deutschen im Pech, als erneut Ladic einen Hamann-Freistoß zur Ecke lenkte.Danach machte der Münchener Platz für den vierten deutschen Stürmer, Olaf Marschall.

Doch der war noch gar nicht im Spiel, da fiel schon das zweite Tor.Goran Vlaovic traf aus halbrechter Postion mit einem "Kracher" zum 2:0 für die Kroaten.Das alles geschah zehn Minuten vor dem Ende.Das Spiel war entschieden.Die deutsche Elf, die zwanzig Minuten mit offenem Visier gespielt und viel riskiert hatte, sollte noch härter bestraft werden.In der 85.Minute umkurvte Suker die deutsche Hintermannschaft und schloß beherzt ab - 3:0.An Einsatz und Bereitschaft hat es nicht gefehlt bei Matthäus und Co., allein die Trümpfe stachen dieses Mal nicht.Offensichtlich hatte man zu sehr auf die Köpfe von Klinsmann und Bierhoff gebaut.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben