Zeitung Heute : Energie im Doppelpack

Die Forderungen nach einer Entkoppelung von Gas- und Ölpreis werden lauter. Könnte Gas tatsächlich billiger werden, wenn es die Anbindung an den Ölpreis nicht gäbe?

Immer dann, wenn Gas teurer wird, ist ein Thema schnell auf der Tagesordnung: die Ölpreisbindung. Auch in diesen Tagen fordern Verbraucherschützer, die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis aufzuheben. Experten warnen jedoch vor zu großen Erwartungen.

Eingeführt wurde die Ölpreisbindung in den 60er Jahren, als damit begonnen wurde, den Energieträger Gas im großen Stil zu nutzen. Die Idee hatte damals durchaus einen Sinn, denn beim Gas sind Käufer und Verkäufer, anders als beim frei handelbaren Öl, durch eine Leitung aneinander gebunden.

Deshalb kann sich – im Gegensatz zu einem Handelsplatz mit mehreren Teilnehmern auf beiden Seiten – kein echter Marktpreis bilden. Aus diesem Grund suchten Produzenten und Abnehmer nach alternativen Möglichkeiten der Preisbildung. Schließlich einigten sie sich auf eine parallele Entwicklung des Gaspreises zum Ölpreis.

Allerdings haben sich die Umstände mittlerweile geändert. Durch ein gut ausgebautes Leitungsnetz können Gasmengen heute in verschiedenste Richtungen umgelenkt werden – die Abhängigkeit zwischen Käufer und Verkäufer ist also nicht mehr so groß. Außerdem ist Flüssiggas im Kommen. In dieser Form lässt sich der Energieträger unabhängig von Leitungen mit Tankschiffen transportieren.

Ob Gas bei einer Aufhebung der Ölpreisbindung jedoch billiger würde, ist fraglich. „In Großbritannien zum Beispiel gibt es die Bindung nicht“, erklärt Klaus Matthies vom Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv. „Trotzdem ist Gas dort teurer.“ So kostet eine Kilowattstunde im englischen Großhandel 1,7 Cent – in Deutschland sind es 1,59 Cent. Matthies hält es ohnehin für fraglich, ob sich die Produzenten, vor allem Russland, überhaupt auf ein Ende der Ölpreisbindung einlassen würden. „Die Einflussmöglichkeiten von deutscher Seite sind äußerst beschränkt“, sagt Matthies.

Selbst wenn es dazu käme, wäre offen, ob die Preise sinken würden. Schließlich steigt die Nachfrage nach Gas – vor allem in China. Daher wäre nicht ausgeschlossen, dass der Gaspreis stärker stiege als der Ölpreis. Sollte der Ölpreis wieder sinken, wären die Kunden gegenüber der jetzigen Regelung im Nachteil.

Fachleute setzen daher vor allem auf mehr Wettbewerb innerhalb Deutschlands. Das könnte den Preis senken. Schätzungen zufolge macht der Importpreis nur ein Drittel des Endkundenpreises aus, je ein weiteres Drittel entfällt auf Steuern und den innerdeutschen Vertrieb. „Wenn man da rangeht, könnte Gas tatsächlich billiger werden“, sagt Matthies.

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