Zeitung Heute : Er kam bis Dire Dawa

Ein Daimler-Lkw war das erste Auto in Äthiopien

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Die Idee war ausgezeichnet. Wäre es nicht wunderbar, dem technikbegeisterten Kaiser Abessiniens, Menelik II., der die Modernisierung seines Landes vorantrieb, als Gastgeschenk einen Lastwagen Made in Germany zu überreichen? Sozusagen Industriepolitik der ersten Stunde? Arnold Holtz, intimer Kenner des damaligen Abessiniens, hatte der deutschen Regierung diesen Vorschlag gemacht, wie der Ingenieur Klaus Gebhardt aus Marienfeld herausgefunden hat. So kaufte das Auswärtige Amt bei der DaimlerMotoren-Gesellschaft in Berlin den Petrol-Wagen, Motor Nr. 3714, Typ 1034 für stattliche 12 950 Mark. Der Lastwagen war 6,20 Meter lang und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h. Der Lkw traf mit der Gesandtschaft in Dschibuti ein und wurde auf die Bahn nach Dire Dawa verladen. Von dort aus sollte er über die Berge nach Addis Abeba fahren. Aber der Wagen war zu schwer und der Motor zu schwach.

Die Delegation brach ohne den Lkw auf. Auch Daimler-Techniker waren nicht in der Lage, den Wagen in dem Gelände in Marsch zu setzen. Schließlich waren das Petroleum und alle Ersatzteile verbraucht und Arnold Holtz musste Nachschub bestellen. Der ließ auf sich warten und Holtz verbrachte Monate in einem teuren Hotel in Dire Dawa. Ein Vorschlag, den Wagen durch Eisenbahntruppen zerlegen zu lassen und ihn über die Berge zu schaffen, um ihn vor Ort wieder zusammenzubauen, scheiterte an einer fehlenden Konstruktionszeichnung. So verblieb der Lastwagen in Dire Dawa und rostete vor sich hin. Aber immerhin, der Daimler war, wie Gebhardt herausfand, das erste Auto in Äthiopien. R.B.

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