Zeitung Heute : Erdogan: EU braucht die Türkei

Regierungschef pocht bei Berlin-Besuch auf Beitritt.

Ohne Schärfe, aber kühl reagierte Kanzlerin Merkel auf den Wunsch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, sein Land in die EU aufzunehmen. Foto: Tim Brakemeier/dpa
Ohne Schärfe, aber kühl reagierte Kanzlerin Merkel auf den Wunsch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, sein Land in die EU...Foto: dpa

Berlin - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Deutschland aufgefordert, sich stärker für einen EU- Beitritt seines Landes einzusetzen. „Es wird unmöglich sein, das 21. Jahrhundert ohne die Türkei zu gestalten“, sagte er bei seinem Berlin-Besuch am Dienstag. „Wir wünschen uns, dass sich Deutschland noch stärker einsetzt als bisher.“ Nicht nur die Türkei brauche die EU. Auch die Europäische Union brauche die Türkei. Erdogan versprach im Gegenzug, die Reformbemühungen fortzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich zurückhaltend. „Es ist kein Geheimnis, und da hat sich an meiner Haltung auch nichts geändert, dass ich einer Vollmitgliedschaft der Türkei skeptisch gegenüberstehe“, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Erdogan. Die Verhandlungen seien ein „ergebnisoffener“, zeitlich nicht befristeter Prozess. Noch sei eine Reihe von Problemen zu lösen.

Das harte Vorgehen der türkischen Regierung gegen Polizei und Justiz hatte zuletzt international Besorgnis ausgelöst. Hunderte Polizisten und Staatsanwälte, die wegen Korruptionsvorwürfen gegen regierungsnahe Kreise ermittelt hatten, waren zwangsversetzt worden. Erdogan verteidigte dies als Schutz vor einem Angriff auf die politische Stabilität, Regierungsmitglieder seien erpresst worden. Er erneuerte seine Vorwürfe gegen die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, der eine Verschwörung geplant habe. Gülen soll in Polizei und Justiz viele Anhänger haben.

Am Abend machte Erdogan im Berliner Tempodrom vor mehreren tausend Landsleuten Wahlkampf, die Rede wurde auch in die Türkei übertragen. Am 30. März finden dort Kommunalwahlen statt, im August soll ein neuer Staatspräsident gewählt werden. Dass Erdogan Amtsinhaber Abdullah Gül beerben will, gilt als äußerst wahrscheinlich. jul

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