Zeitung Heute : Erich Böhme bittet Haider am kommenden Sonntag zum "Talk in Berlin"

Reinhart Bünger

Jörg Haider, Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), kommt doch noch zu seinem Talkshow-Auftritt im deutschen Fernsehen: Haider ist nach Informationen dieser Zeitung am kommenden Sonntag Gast der neuen Erich-Böhme-Sendung "Talk in Berlin", die damit zwei Wochen eher als geplant beim Berliner Nachrichtensender n-tv startet. In der Sendung wird Haider neben Erich Böhme der Schriftsteller und Journalist Ralph Giordano, der Medienbeauftragte der OSZE in Wien, Freimut Duve, und der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Michael Glos, gegenübersitzen. Alle Gäste haben bereits zugesagt. Das Thema der von der AVE produzierten Sendung - sie produzierte auch schon Böhmes "Talk im Turm" für Sat 1 - lautet "Österreich und die neue Regierung: Haider kommt doch." Die n-tv-Sendung wird um 21 Uhr 30 beginnen und ist zunächst auf sechzig Minuten terminiert. Bei Bedarf soll sie jedoch verlängert werden. Um Gesprächspartner aus der Bundesregierung hat sich das "Talk in Berlin"-Team nicht bemüht. Erich Böhme erklärte auf Anfrage, vor Haider dürfe man keine Angst haben: "Der ist kein Wolf, aber ein geschickter Argumentierer". Er habe als Moderator der Sendung, "keine Angst geschlachtet zu werden. Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender bei Haider eine Beißhemmung kriegen, dann werden wir das halt machen". Haider habe zum Teil "krude Ideen". Diese solle er ruhig in der Sendung vortragen. "Der Haider demaskiert sich selbst - hoffe ich", sagte Böhme.

Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider war am vergangenen Sonntagvormittag nach Protesten aus der Talkshow "Christiansen" (ARD) wieder ausgeladen worden. Haider sollte dort ursprünglich mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), Daniel Cohn-Bendit (Europaparlamentarier der Grünen), Michel Friedman (Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, CDU), Guido Westerwelle (FDP) und Michael Glos (CSU) diskutieren. Nachdem Friedman seine Zusage zur Teilnahme an der Sendung zurückgezogen hatte, hatte auch Schily abgesagt.

Friedman hatte seine Absage damit begründet, dass ein "Minimum an Grundlage" fehle, um miteinander reden zu können, weil der "Rechtsopportunist" Haider den Holocaust verniedliche und das Dritte Reich verharmlose. Die Redaktion von "Christiansen" hatte sich daraufhin entschieden, Haider auszuladen, das Thema der Sendung ("Affären, Skandale, Wählerfrust - Chance für rechte Populisten") jedoch beibehalten. Sabine Christiansen, die sich nach ihrer Absage an Haider in ihrer Sendung Kritik ausgesetzt sah, wollte den Auftritt Haiders bei Böhme am Mittwoch auf Anfrage nicht kommentieren.

Wie weiter zu erfahren war, soll sich nach der Ausstrahlung der letzten "Christiansen"-Sendung neben Böhme erneut die ARD um einen Auftritt Haiders bemüht haben. Marion von Haaren (Chefredakteurin des Westdeutschen Rundfunks, WDR) und Sigmund Gottlieb (Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, BR) wollten Haider in die Sendung "Farbe bekennen" einladen. Die Redaktion der Talkshow "Berlin Mitte" (ZDF) erklärte auf Anfrage, man werde sich nicht um einen Haider-Auftritt bemühen.

Anders als in der "Christiansen"-Sendung soll das Thema in der n-tv-Sendung allen Beteiligten klar sein: Es soll um die politische Situation Österreichs und die Situation der Alpenrepublik im europäischen Kontext gehen. Wie der Tagesspiegel aus Senderkreisen erfuhr, geht die Redaktion ohnehin davon aus, dass über das Thema Österreich und die umstrittene Rolle Haiders Themen wie Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit zur Sprache kommen werden. Jedoch soll der Fehler vermieden werden, diese Themen miteinander zu vermischen. Die Initiative zu einer "Talk in Berlin"-Sendung mit Jörg Haider entstand bereits am Tag nach der "Christiansen"-Sendung; sie ging von Erich Böhme und der Redaktion aus. Haider war bereits zwei Mal Böhmes Gast: Am 13. Oktober 1991 diskutierte er mit ihm in der Sendung "Talk im Turm" über Ausschreitungen gegen Ausländer ("Angst vor Deutschland"), am 13. September 1992 ging es um die Frage "Wie viel Ausländer verträgt Deutschland?".

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