Zeitung Heute : Erinnern und mehr

SYBILL MAHLKE

Das Isang-Yun-Ensemble zum 80.Geburtstag des KomponistenSYBILL MAHLKE"Auf der Suche nach Erleuchtung" will Makoto Shinohara sein Stück "Ky...ud...o B" (1973) frei übersetzt sehen, und mit seiner insistierenden Ruhe ist es sehr geeignet, einen Abend einzuleiten, der "Zum 80.Geburtstag von Isang Yun" im Kleinen Saal des Schauspielhauses veranstaltet wird.Die Programmidee der Internationalen Isang Yun Gesellschaft geht davon aus, daß der koreanische Wahlberliner Yun, der 1995 gestorben ist, nicht allein stand mit seinem asiatisch-westlichen Brückenschlag.Auch innerhalb der ostasiatischen Musik sind Verbindungen herzustellen."Ky...ud...o B", eigentlich für Shakuhachi und Harfe geschrieben, erklingt hier mit Altflöte bzw.großer Flöte. Denn es hat sich in diesem Jahr ein Isang-Yun-Ensemble gegründet, in dem mit Yun langjährig Vertraute wie die Flötistin Roswitha Staege und die Harfenistin Marion Hofmann ihr Wissen an jüngere Interpreten weitergeben.Die beiden Musikerinnen stellen mit dem Werk des Japaners die Aura her - aus Versenkung und zum Theater neigender mitkomponierter Stille -, in der sich Yuns eigene Musik dann entfalten kann: "Sonata" (1979) bringt den Initiator des Ensembles, den Oboisten Burkhard Glaetzner, und den Bratschisten Hans-Joachim Greiner mit der Harfenistin zusammen.Dies schließt sich "Ky...ud...o B" in der Fassung von Staege wahlverwandt an, denn Yun hat für europäische Instrumente geschrieben."Sonata" verbindet den belebten Halteton, die Yunsche Haupttontechnik, mit konzertantem Gestus bei reduzierter Atonalität. Es hätte der Stadt Berlin nicht schlecht angestanden, zumal Festwochen sind, den 80.Geburtstag eines so wichtigen Komponisten, der hier ausstrahlend und prägend gewirkt, gearbeitet, gelehrt, Freundschaften gepflegt hat, mit einem großen Orchesterwerk zu begehen.Zum Beispiel mit der fünften Symphonie auf Gedichte von Nelly Sachs.Das junge Isang-Yun-Ensemble aber tradiert an Interpretationskultur, was nicht verloren gehen darf, weil es in der Zusammenarbeit mit dem Komponisten autorisiert worden ist."In memoriam Isang Yun" gelangen zwei Stücke zur Aufführung: der Flötenmonolog "Reigaku" von J...oji Yuasa, einem japanischen Freund Yuns, der seiner Musik nahe ist, und "Memory" von Toshio Hosokawa.Diese Trauermusik des Berliner Yun-Schülers aus Hiroshima schafft mit Violine, Violoncello und Klavier (Karsten Windt, Anna Carewe, Philip Mayers) einen meditativen Klangraum, in den Glissandi, gleichsam chorisch bewegte Saiten der Streicher und tropfende Klaviertöne eingelassen sind.Interessant im Programmheft zu lesen, daß es Klaus Huber war, der den jungen Mann nach dem Studium bei Yun auf die Musik seiner japanischen Heimat verwies. Das letzte Wort vor einem durch Reglosigkeit der Spieler herbeigeführten Gedenkmoment hat der Komponist selbst mit seiner Musik: "Images" aber markiert auch ein Stück politischer Geschichte Yuns wie Berlins.1967 durch den südkoreanischen Geheimdienst aus West-Berlin entführt, komponiert er das Werk für Flöte, Oboe, Violine und Cello 1968 im Gefängnis in Soeul.Das Ensemble erreicht mit dieser Heimatmusik aus schwerster Zeit eine Konzentration, die in ihren aufsteigenden Haltetönen das kammermusikalische Porträt Isang Yun erinnerungsreich beschließt. 

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