Zeitung Heute : Erneute Kritik des Werberverbands wegen Zynismus

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hat die Ankündigung des italienischen Textil-Herstellers Benetton scharf kritisiert, mit den Fotos von zu Tode verurteilten Häftlingen Werbung zu machen. Der Geschäftsführer des Verbandes, Volker Nickel, sagte am Montag in Bonn, es sei zynisch, das Leid von Menschen für Geschäfte auszunutzen. Benetton hatte in New York angekündigt, in den USA eine Werbekampagne mit Fotos und Interviews von zu Tode verurteilten Häftlingen zu starten.

Die Kampagne soll noch in diesem Jahr nach Europa und Asien kommen. Mit den Fotos solle eine neue Debatte über die Todesstrafe ausgelöst werden, hatte ein Unternehmenssprecher erklärt. Nickel sagte, sollte Benetton auch in Deutschland mit den Fotos Werbung machen, werde sich der Deutsche Werberat damit befassen. Es sei moralisch zweifelhaft, zum Tode verurteilte Menschen auf Werbeplakaten abzubilden, ohne zugleich an die Opfer von Gewaltverbrechen zu erinnern, sagte Nickel, der zugleich Sprecher des Werberates ist. Der Werberat hat frühere Kampagnen von Benetton gerügt, bei denen unter anderem Fotos mit einem toten Bosnienkämpfer auf Werbeplakaten gezeigt wurden. Der Bundesgerichtshof verbot 1995 in einem Grundsatzurteil die Kampagne in Teilen als sittenwidrig.

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