Zeitung Heute : Ernst gemacht

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat im ersten Doping-Fall der Winterspiele in Salt Lake City hart reagiert. Wie IOC-Generaldirektor Francois Carrard am Montagabend in Salt Lake City mitteilte, hat ein Mitglied der weißrussischen Mannschaft einen Doping-Test verweigert. Dies wird als Doping-Vergehen gewertet. Bei der Sportlerin handelt es sich, wie am Dienstag bekannt wurde, um die Shorttrack-Eisläuferin Julia Pawlowitsch.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Nicht nur sie, sondern auch der Chef der Mission Weißrusslands, Jaroslaw Barischko, wurde von den Spielen suspendiert, dem Nationalen Olympischen Komitee des Landes wurden bis Ende des Jahres Zuwendungen in Höhe von rund 120 000 Dollar gestrichen. Dies ist eine in der olympischen Geschichte einmalige Sanktion wegen eines Doping-Verstoßes. "Die Entscheidung der Exekutive zeigt: Wir lassen nicht mit uns spielen", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Man habe erwogen, das ganze NOK Weißrusslands auszuschließen. Man habe aber davon Abstand genommen, um "Sportler nicht zu treffen".

Der weißrussische Funktionär habe seinem Athleten geholfen, nicht zu einer vom IOC angeordneten Doping-Kontrolle zu erscheinen, hieß es weiter. Von weißrussischer Seite ist dieser Vorwurf zurück gewiesen worden. Nach Angaben der Regierung in Minsk sei Julia Pawlowitsch nicht zur Verweigerung einer zweiten Dopingkontrolle verholfen worden. Sportminister Alexander Grigorow betonte, die weißrussische Seite habe auf ernsthafte Verstöße bei der Analyseprozedur der ersten Probe hingewiesen. "Die Medizinkommission des Internationalen Olympischen Komitees hat die Regelverstöße eingestanden und dem Antrag der weißrussischen Seite stattgegeben, dass es unzweckmäßig wäre, wenn Julia Pawlowitsch sich einer zweiten Dopingkontrolle unterziehen müsste", erklärte der Minister nach Angaben der Agentur Interfax.

Der Doping-Test war vom IOC verlangt worden, weil eine in Salt Lake City genommene Urin-Probe der Sportlerin, nach einem Wettkampf positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden war. Der Anabolika-Wert war nach IOC-Angaben 380 Mal höher als erlaubt. Allerdings konnte diese Doping-Kontrolle nicht als positiv gewertet werden, weil die Kiste mit dem Urin-Fläschchen nicht vorschriftsmäßig versiegelt im Analyselabor eingetroffen war. Die Probe war laut Carrard korrekt versiegelt von den Kontrolleuren auf den Weg gebracht worden. Doch ein Kurier öffnete das Kästchen noch einmal, um ein vergessenes Formular nachträglich hineinzulegen. Dabei vergaß er, es ordnungsgemäß wieder mit einem Siegel zu versehen. "Die IOC-Exekutive ist nicht glücklich über die Sache, musste sich aber an seine Regeln halten", erklärte Carrard.

Um die Sportlerin nicht davonkommen zu lassen, war für Montag eine weitere Kontrolle verfügt worden. Doch weder die Athletin noch Barischko erschienen. "Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass der Chef de Mission dem Sportler geholfen hat, diesen Test zu vermeiden", sagte Carrard.

Während der Winterspiele sind 1000 Doping-Kontrollen durchgeführt worden, davon rund 300 nach Wettkämpfen, teilte Patrick Schamasch mit, der Direktor der Medizinischen Kommission des IOC. Kein Test sei positiv gewesen. Sieben Proben hätten erhöhte Werte gezeigt, die aber von Athleten stammen, die genehmigte Medikamente gegen Asthma nehmen. Auch die 1082 Tests, die vor Olympia durchgeführt worden waren, hätten negative Resultate ergeben.

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