Zeitung Heute : Erschöpfende Infos für Cineasten

MAREN PETERS

Eine Kameralinse taucht aus dem Dunkel auf, nähert sich drehend dem Betrachter.Der Film läuft an, flackernd, knisternd, in überbreitem, schmalem Format.Filmausschnitte werden kurz eingeblendet, ein Soldat, schreiend, weinend, im Kriegsgetümmel.Auf dem Computer-Bildschirm erscheint jetzt das Programmfenster vom "Lexikon des internationalen Films", deren dritte, völlig überarbeitete Fassung 98/99 soeben auf CD-ROM erschienen ist (Systhema Verlag, München).Es erfaßt 44 006 Kino- Fernseh- und Videofilme, die zwischen 1945 und Ende 1997 in Deutschland veröffentlicht worden sind - mehr als 1500 Neueinträge gegenüber der Vorgängerversion.

"Verbesserte Navigationsstrukturen" versprechen die Herausgeber - das katholische Institut für Medieninformation (KIM) in Köln, und die Katholische Filmkommission für Deutschland (Bonn) - auf dem Inlay.Das Startfenster macht einen vielversprechenden Eindruck.Die Programm-Optionen sind übersichtlich angeordnet, völlig überarbeitet ist das Design.Im Zentrum und ständiger Hintergrund: eine virtuelle Leinwand.Die Illusion des Kinobesuchs wird gekonnt fortgeführt, verstärkt noch durch die akustische Unterfütterung mit Filmmusik.

Derart eingestimmt kann der User sich in seinem fiktiven Kinosessel zurücklehnen und Filme aufrufen, im Vorführraum Fotos ansehen oder sich umfassend über Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren informieren.Die Suche soll ihm eigentlich die "Quick-Search"-Funktion in der Menu-Leiste erleichtern.Sie funktioniert leider nur, solange die Funktionsanzeige in zitternder Bewegung ist, und das ist nur für Sekundenbruchteile der Fall.Ansonsten ist der längere Weg über die Recherche-Funktion angesagt.Ähnlich abrupt ausgebremst wird der User bei dem Versuch, per Mausklick von der Filmographie zur Biographie zu wechseln.Links zwischen einzelnen Rubriken geraten somit zur Stolperstrecke.Eine Erklärung für dieses ärgerliche Defizit hat auch die CD-ROM-Hotline nicht.

Die Fülle des Datenmaterials zu Filmen und Personen ist beeindruckend: Etwa 800 Biographien und über 400 "film-dienst"-Artikel warten auf Abfrage.Enttäuschend dagegen die geringe Anzahl abrufbarer Bilder und vor allem Filmclips.Etwas versöhnt wird der User dadurch, daß er unter www.systhema.de/movienews alle 14 Tage aktuelle "film-dienst"-Artikel abrufen sowie die CD-ROM vierteljährlich online auf den neuesten Stand bringen kann.

Die aufwendige graphische Gestaltung stellt hohe Anforderungen an den Rechner, in der Anwendung gibt es noch Schwächen.Mit 149 DM ist der Preis der aktuellen Fassung gegenüber der Vorausgabe unverändert hoch geblieben.

Systemvoraussetzungen: Multimedia Pentium 100 (zufriedenstellend ab 166 MHz) mit Windows 95 oder Windows NT 4.0 oder vergleichbarer Macintosh Power-PC ab System 7.0.

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