Zeitung Heute : Erst kommt Mexiko, dann Luis

LYON (dpa).Hugo Sanchez, Mexikos Stürmer-Legende mit dem Markenzeichen Salto mortale, schnalzte als Kommentator des mächtigen Medienkonzerns "Televisa" mit der Zunge.Beim 3:1-Auftaktsieg seiner Landsleute über Südkorea wurde er Augenzeuge einer Gala-Vorstellung seines potentiellen Nachfolgers.Mit seinen beiden entscheidenden Toren in der 74.und 84.Minute sicherte Luis Hernandez den Zentral- Amerikanern bei ihrer elften WM-Teilnahme endlich den ersten Sieg auf europäischem Boden.

"Ich bin überglücklich.Das waren sensationelle Tore.Einfach phantastisch." In seinem Glücksgefühl war der Redeschwall des mexikanischen Matchwinners kaum zu bremsen.Mit seinem strahlenden Lächeln wirkte der 29jährige langmähnige Blondschopf gleichermaßen vereinnahmend wie zuvor bei seinem Torjubel.Der kurz vor der WM von Trainer Manuel Lapuente ausgebootete Carlos Hermosillo galt eigentlich als legitimer Nachfolger des früheren Real-Stars Sanchez.Doch Hernandez ließ dessen Abwesenheit vergessen und knüpfte mit seinen beiden Treffern da an, wo er beim Gewinn des "Gold-Cups" mit vier Toren aufgehört hatte.

"Natürlich ist es das große Ziel eines Torjägers, Torschützenkönig einer WM zu werden", meinte Hernandez.Doch wichtiger sei es, daß er der Mannschaft einen großen Dienst zum Weiterkommen geleistet habe.Hernandez: "Erst kommt Mexiko, dann ich." Den gesunden Egoismus eines Torjägers stellte der unermüdlich rackernde Dauerläufer lange Zeit zurück, um in der letzten Viertelstunde seinen Torinstinkt zu beweisen.Für Hernandez war sein doppeltes Erfolgserlebnis eine große Genugtuung angesichts aufkommender Zweifel an seinen Qualitäten.

Seit seinem erfolglosen Abstecher zum früheren argentinischen Weltpokal-Sieger Boca Juniors Buenos Aires, bei dem er auf der Bank versauerte, haftete ihm der Ruf an, in der Fremde nichts Effektives zustande zu bringen.Zu langsam, zu leicht auszurechnen, kein Durchsetzungsvermögen.Dermaßen vernichtend urteilenden Kritikern verpaßte Hernandez in Lyon seine treffliche Antwort.Im Gegensatz zum "Joker" Pelaez, der in der 51.Minute den Ausgleich erzielte und in ungebremster Begeisterung schon vom Titel redete, ist für Hernandez der nächste Gegner der schwerste: "Belgien wird ein ganz harter Brocken.Wenn wir aber am Maximum unserer Fähigkeiten spielen, haben wir eine gute Chance."

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