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Zeitung Heute : Es geschah an einem einzigen Tag

14.09.2003 00:00 UhrVon Stephan Lebert

Immer am 27. September hat Christa Wolf Protokoll geführt, und das 40 Jahre lang. Es ist das Dokument eines ganzen Lebens geworden. Ein privates und politisches Buch, es zeigt eine Autorin, die immer wieder am Dasein verzweifelt. Ein schutzloses Werk – und darin liegt seine Kraft.

Zum Beispiel das Thema „Die Dichterin und das Essen“, da weiß bislang doch kaum einer Bescheid. Ob sie etwa ihr Leben, ihre Biografie anhand des Essens erzählen könne? Christa Wolf mag diese Frage, ihr Gesicht, das auf Bildern oft so streng wirkt, wird weich und entspannt, als mache sie dies öfter und gerne, das Ans-Essen-denken. Sie sitzt in ihrer Wohnung in Berlin-Pankow, trinkt einen Schluck Wasser und sagt, da muss ich nachdenken.

Im Grunde hat sich diese Frage regelrecht aufgedrängt, denn Christa Wolf schreibt in ihrem neuen Buch „Ein Tag im Jahr“, einem sehr eigenen Tagebuch, auffallend häufig von frisch gebackenen Pflaumenkuchen, Sülzen, Knoblauchbroten, Königsberger Klopsen.

Sie notiert, was sie mit dem russischen Schriftsteller Jurij Trifonow 1973 in einem Berliner Restaurant bestellte – und was Max Frisch 1986 für sich und sie in seiner dreistöckigen Zürcher Wohnung zubereitete, zwei Steaks nämlich, Broccoli, Spinat, dazu einen „trockenen Weißwein, Obst“.

Jetzt hat sie nachgedacht. Ja, sagt sie, das mit ihrer Essens-Biografie würde wohl funktionieren, und schon fängt sie an zu erzählen, wie sie etwa als Kind mit dem Rad immer freitags zum Metzger fuhr und Blutwurst samt Blut für die „wunderbare Blutwurstsuppe“ in einer eigenen Kanne holte. Oder auf der Flucht, wie sie dieses neue Gericht in einem Mecklenburger Bauernhof kennen lernte, Kartoffeln und Apfelmus. Und dann der Ehemann und das gemeinsame Essen: Zunächst die Erbsen und Möhren („essen wir bis heute gerne“) in der Studentenbude in Jena. Dann auch gewisse Probleme, er behaupte immer, sagt Christa Wolf, mit ihr könne man nicht kochen, „was höchstens deshalb stimmt, weil er sich nichts sagen lässt“. Außerdem habe er Probleme mit ihrer Tradition, dass man alles zusammen isst, nicht eines nach dem anderen, „mein Mann verachtet das.“

„Ich hasse das Vergessen“

Während unseres Gesprächs kommt Gerhard Wolf kurz rein, erzählt, dass er gerade auf dem Markt ein wenig eingekauft hat. Er ist auch Schriftsteller und Autor, daneben Galerist, Verleger. 74 Jahre alt ist er, seit mehr als 50 Jahren sind sie verheiratet, und auf den ersten Blick passen die vielen Berufsbezeichnungen, er wirkt klein und quirlig, energiegeladen, die wenigen weißen Haare auf dem Kopf sehen lustig aus. Christa Wolf schreibt, naturgemäß, sehr viel über ihn in ihrem neuen Buch. Zum Beispiel im Jahr 1968: „Sehnsucht nach Gerd. Uns könnte nichts mehr antasten, nicht einmal eine Leidenschaft, die mir passierte. Und passieren sollte, aber nicht wird.“ Oder irgendwann später: „Das einzig Interessante im Leben ist das Schreiben, sagte ich, das hört Gerd nicht gerne.“

Die Idee stammt aus dem Jahr 1935, damals rief Maxim Gorki die Schriftsteller dieser Welt auf, immer am 27.September eines Jahres Tagebuch zu führen. Dass es der 27.September war, hatte keinerlei Bedeutung, es sollte einfach ein unbedeutender, normaler Tag sein. Eine Rolle spielte dabei auch die alte Künstlersehnsucht, das Geheimnis eines einzigen Tages zu knacken, den 24 Stunden, den Minuten, Sekunden mit all den Momenten, Gedanken, Ideen nahe zu rücken. Es ist nicht bekannt, wie viele Autoren diesem Anliegen gefolgt sind. Jedenfalls wiederholte der russische Schriftstellerverband im Jahr 1960 diesen Aufruf – und den las Christa Wolf. Von da an wurde der 27. September für sie zum Schreib- und Protokolltag. Jahrzehntelang tat sie es, ohne jemandem davon zu erzählen. „Später fragten mich dann Leute, ob ich das nicht mal veröffentlichen will. Ich sagte immer: njet. Aber wie das eben manchmal so ist, mein Njet wurde schwächer und schwächer…“

Zwei Motive, sagt sie, waren ausschlaggebend für dieses Projekt. Zum einen: „Ich hasse das Vergessen.“ Es habe sie ihr Leben lang wahnsinnig gemacht, wenn sie feststellte, sie vergesse ihr Leben, gerade den Alltag, „den ich so mag“. Im Vorwort nennt sie Vergänglichkeit und Vergeblichkeit die Zwillingsschwestern des Vergessens: „Gegen diesen unaufhaltsamen Verlust von Dasein wollte ich anschreiben.“ Ob nicht Vergessen manchmal auch ein Segen sein könne? Nein, sagt sie, „mir hat Vergessen immer Angst gemacht“. Den zweiten Grund formuliert Christa Wolf so: „Ich wollte mein Leben immer in erster Linie dazu benutzen, mich kennen zu lernen. Ich mag es, andere Leute zu durchschauen, aber noch wichtiger ist es, mich selbst zu durchschauen, meine Tricks, meine Manöver.“ An einer Stelle des Buches schreibt sie: „Ich will wissen, wie meine verflixte Seele funktioniert.“ Einmal schreibt sie von ihrem „Doppelleben“, einerseits bewältige sie ihren Alltag wie immer, von außen würde niemand was bemerken, aber innendrin herrsche die völlige Verzweiflung. Wie es scheint, wie es ist – vielleicht ein besonderer Zwiespalt in ihrem Leben? „Nein, glaube ich nicht“, sagt sie, „wissen Sie, ich denke, das haben eigentlich alle Menschen, diesen häufigen Gegensatz vom äußeren Bild und der inneren Verfassung. Es kann allerdings sein, dass sich manche davor scheuen, sich das bewusst zu machen.“

Der erste Tag ist der 27.September 1960, ein Dienstag: Christa Wolf ist 31 Jahre alt, sie ist seit neun Jahren verheiratet, hat zwei kleine Kinder, vier und acht, ihre schriftstellerische Karriere hat noch nicht begonnen, ihr erster großer Erfolg, der Roman „Der geteilte Himmel“, wird erst in zwei Jahren erscheinen. Der erste Satz dieses Tagebuchs lautet: „Als erstes beim Erwachen der Gedanke: Der Tag wird wieder anders verlaufen als geplant.“ Sie schreibt über den bevorstehenden Kindergeburtstag der kleinen Tochter Tinka, protokolliert Alltagsgespräche, die sie aufschnappt, eine Diskussion mit ihrem Mann über ein Lenin-Buch. Sie schreibt: „Tinka will genau wissen, wie alles funktioniert… Ihr neuer, unerschütterlicher Glaube, daß alles, was existiert, ,zu etwas gut ist’, ihr zu etwas gut ist. Wenn ich so oft um die Kinder Angst habe, dann vor allem vor der unvermeidlichen Verletzung dieses Glaubens.“ Und am Ende notiert sie: „Vor dem Einschlafen denke ich, daß aus Tagen wie diesem das Leben besteht. Punkte, die am Ende, wenn man Glück gehabt hat, eine Linie verbindet.“

Der letzte Tag in diesem Buch ist der 27.September 2000, ein Mittwoch: Christa Wolf ist 71 Jahre alt, immer noch verheiratet, hochdekorierte Schriftstellerin mit Millionenauflagen, mehrfache Großmutter, denn ihre beiden Töchter haben inzwischen längst erwachsene Kinder. Der erste Satz lautet: „Der Tag beginnt um Mitternacht mit den Schlußpassagen eines japanischen Films im Fernsehen: ,Tanz am Abgrund’.“ Sie schreibt von einem Roman über Walter Benjamin, den sie gerade liest. Sie zitiert Friedrich Merz von der CDU, der sich im Radio über die Rentenreform äußert. Schreibt über einen Traum und darüber, dass sie gerade an einer Rede über Anna Seghers arbeitet. Und sie notiert einen Anruf ihres Enkels, der ein bisschen über seine persönliche Lage klagt. Sie schreibt: „Ich lache leise vor mich hin, überlege, wie meine ,Lage’ war, als ich zwanzig war.“

Das Experiment DDR

40 Jahre liegen zwischen den beiden Tagen. 1960 war die DDR elf Jahre alt, ein Jahr später wurde die Mauer gebaut. 1961 stellt Christa Wolf in ihrem Tagebuch die Frage: „Wachsen die Bedingungen zum Menschwerden bei uns wirklich? Streuen wir uns nicht oft über die konkreten inneren Verhältnisse unserer Menschen Sand in die Augen?“ Heute sagt Christa Wolf, zu Beginn der DDR habe sie wirklich an dieses Experiment geglaubt, „dass im Sinne der Aufklärung hier etwas Vernünftiges entsteht“. Im Jahr 2000 liegt die DDR schon ein Jahrzehnt unter der Erde. Wie sie heute die bundesdeutsche Gesellschaft beurteile? Mache ihr da irgendetwas Hoffnung? Ja, sagt sie, auf der zweiten Ebene beobachte sie vieles, was „mir sehr gut gefällt“, private Initiativen, spannende Begegnungen zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen, Freundschaften. Aber auf der ersten Ebene, in der Politik? Nein, nichts, „die größte Sorge macht mir die hohe Arbeitslosigkeit, ich mache mir große Sorgen, was daraus entstehen wird“.

Wie liest man dieses Tagebuch? Christa Wolf schreibt im Vorwort, sie habe, natürlich, alles so gelassen, wie es ist, keinerlei Korrekturen vorgenommen, keine früheren Fehlurteile korrigiert. Man könnte die heftigen Vorwürfe zum Ausgangspunkt nehmen, die ihr Anfang der 90er Jahre in den deutschen Feuilletons gemacht wurden. Nach der Veröffentlichung ihrer Erzählung „Was bleibt“ geriet sie plötzlich in das Feuer der Kritik: Sie sei so etwas wie eine Staatsdichterin der DDR gewesen, sie habe viel zu viele Kompromisse gemacht, sie sei feige gewesen und habe nie wirklich mit dieser Diktatur gebrochen. Man könnte nun in den Aufzeichnungen nach den Irrtümern der Christa Wolf forschen, wie verblendet sie war, wie mutlos. Aber schon mal vorab gesagt: Eine solche Methode wird an diesem Buch scheitern. Denn Christa Wolf legt mit diesen Aufzeichnungen ein Dokument vor, das den Entwurf ihres Lebens zeigt. Als Mutter und Familienmensch, als politisch denkende Schriftstellerin, als Frau, die immer wieder am Dasein verzweifelt. Ein ziemlich schutzloses Werk – und genau darin liegt seine Kraft. Der Leser kann sich mit fortschreitender Lektüre den Fragen dieses Buches kaum entziehen. Es wird zu einer Art Spiegel: Was sind die Fäden des eigenen Lebens, was die Irrtümer, die Zweifel, was das Glück? Was ist das eigene Weltbild?

Christa Wolf hat einen besonderen Weg gewählt, neben ihrem Alltag entwickelt sie durch das Schreiben eine zweite Dimension, „ich versuche dadurch meinem Leben eine gewisse Tiefe zu geben, ohne das könnte ich nicht existieren“. An jedem Tag dieser 40 Jahre ist das Thema Schreiben allgegenwärtig, oft auf eine sehr quälende Weise. Nur ein paar Beispiele, ein paar Sätze, eher willkürlich herausgerissen aus den Jahren: Wieder nur eine Seite geschrieben. Wieder zu spät am Schreibtisch gesessen. Es kann nicht darum gehen, schöne Sätze zu schreiben. Dann: „Der Bogen zur 1.Seite von ,Kindheitsmuster’ ist von gestern her noch eingespannt, aber ich muß doch wieder neu anfangen. Ich schreibe gut eineinhalb Seiten, die ich mal stehen lassen will, ohne zu wissen, ob mir das was helfen wird.“ Oder: „Gerd ist der Meinung, daß ich nur aus der Negation, der Verkrampfung heraus schreiben könne und mir deshalb unbewußt diesen Zustand herbeiführe.“ Oder: „Gerd sagt, ich müsse etwas Abstand zum Schreiben gewinnen.“

Ob sie an diesen Septembertagen vielleicht doch mal daran gedacht habe, dass diese Texte veröffentlicht werden? Die ersten Jahre sicher gar nicht, sagt sie, „später will ich es nicht ganz ausschließen, aber ich denke, wie auch immer, mein Schreiben wurde nicht beeinflusst“. Sie schreibt auch Tagebücher, seit sie Kind ist, 80 Bände gibt es. Was da der Unterschied ist zu dem September-Projekt? Die Texte seien „viel intimer“, diese Tagebücher würden erst „zehn, 20 Jahre nach meinem Tod veröffentlicht“.

Traum vom besseren System

Der erste Blick in dieser Wohnung: Bücher, Bücher, Zeitschriften, überall. Sie sagt, sie könne nichts wegwerfen, was beschrieben ist, auch keine Briefe, Aufzeichnungen, Postkarten. „Die Leute von dem Archiv, die jetzt alles von mir dokumentieren, waren entzückt.“ Von Kleidern, Möbeln oder anderem Zeug könne sie sich ohne weiteres trennen, „aber wo was draufsteht, nein“.

Die DDR, das war ihre Lebensbühne. Irgendwann vor 1960 muss es bei ihr den Glauben an diesen Staat gegeben haben, den Traum von diesem besseren System. In dem Buch ist nicht mehr viel davon zu spüren, im Grunde wird ihre von Jahr zu Jahr wachsende Desillusionierung dokumentiert. Schon Anfang der 60er Jahre zitiert sie einmal ihren Mann, der sagt, vielleicht müssen wir doch das Land verlassen. Als sie ihren Roman „Der geteilte Himmel“ (1962) ein paar Jahre nach dem Erscheinen wieder liest, wundert sich Christa Wolf, wie unerschütterlich ihr politischer Glaube damals noch gewesen sei. Eine Zuspitzung erfährt dieser Prozess durch die Ausbürgerung von Wolf Biermann im Jahr 1976. Das Ehepaar Wolf gehörte zu den Unterzeichnern der Protestnote, Gerhard Wolf wird später deshalb aus der SED ausgeschlossen, Christa Wolf nicht. Sie sagt, natürlich habe sie überlegt, ob sie danach austreten soll, „ich weiß noch, wie mich Walter Janka besuchte und sagte, aus einer Partei wird man ausgeschlossen, man tritt nicht aus“. Angenommen, sie stünde heute nochmal vor dieser Situation, würde sie heute die Partei verlassen? Ja, sagt sie, „ich glaube, ja“. Damals dachte sie, wenn sie die Partei verlasse, müsse sie auch das Land verlassen, „und das wollte ich nicht“.

Am 27.September 1978 schreibt sie: „Ich frage mich, welchen Preis ich täglich unbewußt zahle, einen Preis in der Münze: wegsehen, weghören oder zumindest: schweigen. Ich denke oft, ob die Rechnung dafür uns noch zu unseren Lebzeiten präsentiert wird. Wenn nicht, muß ich sie mir selber präsentieren.“ Wenn sie heute zurückdenkt, wäre es doch vielleicht besser für sie gewesen, wenn sie die DDR verlassen hätte? „Nein, ich denke nicht.“ Sie sagt, „ich habe ein mir gemäßes Leben geführt.“ Die Familie, die Freunde, all das sei für sie immer extrem wichtig gewesen. Und auch in Sachen Arbeit: Sie habe sich innerlich positioniert, habe eine bestimmte Rolle gehabt, „daraus habe ich meine Themen gefunden, so sind meine Texte entstanden.“ Sie sei auch froh, dass sie das Ende dieses Staates miterlebt habe – und vielleicht seien sogar die Prügel folgerichtig gewesen, die sie Anfang der 90er Jahre als DDR-Ikone einstecken musste.

Zu dem Preis, den sie zahlte, gehören auch mehr als 40 Aktenordner, in denen penibel dokumentiert wird, wie die Wolfs von der Stasi durchleuchtet und bespitzelt wurden. Sie hatten zwar gewusst, dass sie abgehört werden, aber nicht in diesem wahnwitzigen Ausmaß. „Ich habe irgendwann aufgehört, diese Akten zu lesen“, sagt Christa Wolf, „weil ich mich beim Lesen beschmutzt fühlte, allein durch die Sprache, in der diese Texte geschrieben wurden“. Ja, und zu ihrer Bilanz gehört auch die Tatsache, dass sie Anfang der 60er Jahre einmal selbst kurze Zeit als IM für die Stasi tätig war. Mitte der 90er Jahre veröffentlichte sie unter dem Titel „Akteneinsicht“ ihre ziemlich harmlose Täter-Akte.

Links – was ist das?

Hält sich Christa Wolf heute noch für links? Ja, sagt sie. Und was ist das – links? Ja, wiederholt sie, was ist das? Es mag ja banal klingen, meint sie dann, aber wenn sie eine Rangordnung an Werten aufstellen müsste, würde Solidarität ganz oben stehen. Keine Frage, Frau Wolf hat sich in den letzten Jahren nicht angefreundet mit dem Kapitalismus. In ihren September-Texten nach der Wende kritisiert sie häufig die kalte Wirtschaftswelt. Und manchmal rutscht ihr diese Kritik in Richtung Kitsch ab, wenn sie etwa 1995 schreibt: „…und wie diese schöne neue Zeit der unbeherrschten Marktwirtschaft zu einem durchweg kriminellen Bewußtsein führen muß, und was dies wiederum für die Kinder bedeutet. Ich weinte…“ Ob sie denn wirklich glaube, Kinder in der DDR hätten eine bessere Zukunft vor sich gehabt? Nein, nein, antwortet sie, so meine sie das gar nicht, „da erinnere ich mich zu genau, wie man als Eltern in der DDR gegen die Indoktrination ankämpfen musste“.

40 Jahrestage im Leben der Christa Wolf. Sie schreibt von ihren Krankenzeiten und ihren Tiefen genauso wie über Begegnungen mit bekannten Leuten, beispielsweise Brigitte Reimann, Anna Seghers, Günter Grass, Erwin Strittmatter. Am eindringlichsten sind die beiden Treffen mit Max Frisch. Das eine in Zürich, als sie bei gebratenem Steak über die Begriffe Widerstand und Resignation reden. Als er sie ziemlich ruppig attackiert wegen ihres damals gerade erschienenen Buches „Kassandra“. Das andere Treffen findet dann kurz vor seinem Tod statt. Es geht in diesem letzten Gespräch auch um die Frage, ob das Leben nicht ein einziger Tarnanzug sei.

Etwas hat sich in all den Jahren gar nicht verändert: Christa Wolf liest gern Krimis, sie frisst sie regelrecht, Edgar Wallace, Sjöwall/Wahlöö, Dick Francis, Baryt Gur, Agatha Christie, um nur einige wenige zu nennen. In den letzten Jahren kommt verstärkt das Fernsehen dazu, sie sieht überraschend viel. Wenn man selbst mal wieder zu lange vor dem Apparat sitzt, kann man sich mit ihrem ersten Satz vom 27.September 1998 trösten: „Die Mitternacht findet mich, wie so oft, vor dem Fernseher.“

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