Zeitung Heute : "Es macht immer Spaß, gegen Freunde zu spielen"

BORDEAUX .Trainer Miroslav Blazevic versprach "ein großes Rendevous", Kapitän Zvonimir Boban "eine Revanche": Kroatiens Fußballer fiebern der Neuauflage des EM-Viertelfinales von 1996 gegen Deutschland am Sonnabend in Lyon entgegen.Kaum stand die Mannschaft nach dem "historischen 1:0-Sieg" (Blazevic) im WM-Achtelfinale gegen Rumänien unter der Dusche, gab es nur noch ein Thema: die Partie gegen Deutschland, die den Kroaten den größten sportlichen Erfolg seit Erlangung der staatlichen Souveränität 1992 bescheren soll."Die Deutschen sind unsere Freunde, und es macht immer Spaß, gegen Freunde zu spielen", frohlockte der 63jährige Trainer und zwinkerte durch seine Brille: "Wenn ich nach meinen Gefühlen gehe, dann meine ich, daß die Deutschen keine große Chance auf den Halbfinal-Einzug haben werden."

Ein Wiedersehen der besonderen Art wird es vor allem für Zvonimir Soldo vom VfB Stuttgart und den früheren Karlsruher Slaven Bilic geben.Soldo, der am Dienstag in Bordeaux seine Gelb-Sperre absitzen mußte, schickte schon einmal eine Warnung an seine Bundesliga-Kollegen: "In unserer Mannschaft herrscht eine kleine Euphorie, und wenn wir euphorisch sind, sind wir auch gefährlich." Das 1:2 bei der EM in Manchester will der Libero nicht als Maßstab werten."Vor zwei Jahren waren wir noch nicht reif genug, jetzt haben wir Erfahrung und damit auch Chancen gegen die Deutschen."

All sein "Herzblut" will Bilic gegen die DFB-Auswahl einbringen.Der ehemalige Kollege von Thomas Häßler war in der Winterpause 1995/96 für 3,8 Millionen Mark Ablöse zu West Ham United gewechselt und spielt mittlerweile für den FC Everton spielt.Und er legt Wert auf sprachliche Feinheiten: "Von Rache kann wirklich keine Rede sein.Das ist ein blödes Wort.Schließlich spielen wir nur Fußball."

Auch Davor Suker verbindet mit dem EM-Viertelfinale eine besondere Erinnerung.Der Stürmerstar von Real Madrid erzielte damals das Tor für Kroatien.Als einziger seiner Mannschaft wollte Suker "nicht viel über die Deutschen sagen".Der 30jährige läßt lieber Taten sprechen - so wie gegen Rumänien.Den spielentscheidenden Elfmeter verwandelte er auch im zweiten Anlauf, nachdem Boban zu früh in den Strafraum gelaufen war."Mein Herz schlug in diesem Moment ganz schnell", schilderte Suker seine Ruhmestat und scherzte: "Mein Puls lag bei über 120, ich habe nachgemessen."

Am Abend zuvor hatte Suker am Fernseher erlebt, wie sein Real-Kollege Predrag Mijatovic seinen Strafstoß gegen Holland verschossen hatte."Ich habe mit ihm gelitten", sagte Suker ungeachtet der jugoslawisch-kroatischen Rivalität und der Tatsache, daß Mijatovic ihm seinen Stammplatz bei Real weggeschnappt hatte.Suker trug nach dem Sieg sein eigenes Konterfei spazieren.Auf seinem T-Shirts prangte ein Foto des jubelnden Suker sowie der Spruch: "Proud to be croatian" ("Stolz, ein Kroate zu sein").

Während "Sukerman" weiter auf der Weltbühne des Fußballs wirbeln darf, haben die Rumänen ausgetanzt."Es war ein Spiel auf schwachem Niveau", gestand Trainer Anghel Iordanescu, der trotzdem stolz auf die Mannschaft ist: "Wir haben eine gute Vorstellung bei dieser WM geboten und sind mit sieben Punkten Gruppenerster geworden." Iordanescu verabschiedet sich nach fünf Jahren gen Griechenland, wo er die Nationalmannschaft zur EM 2000 führen soll.

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