Zeitung Heute : Es muß nicht immer ein Videospiel sein

CHRISTIAN OMERZU

IFA hält für Kinder besondere Angebote bereitVON CHRISTIAN OMERZU

Es ist ein Geheimtip für alle Kids, die auf Videospiele abfahren.Saal 2 im ICC.Denn während in den Hallen auf dem Messegelände sich schon am frühen Morgen die Kinder und Jugendlichen vor den Video-Play-Stations drängeln, stehen hier mehr als 30 silbergraue Spielkonsolen größtenteils verwaist in der Ecke.Die Gründe dafür sind einfach: Zum einen liegt der Saal 2 abseits des sonstigen Messerummels.Zum anderen findet hier die Kinder- und Jugend-IFA unter dem Motto "World of Performing Arts and Sports" statt.Bei dem Titel erwartet wohl keiner irgendwelche Videospiele. Auf der riesigen Spielfläche geht es vor allem sportlich zu.Nicht digital, multimedial oder interaktiv, sondern selber aktiv ist hier die Devise.Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 26 Jahren zeigen ihr Können auf Skateboards, Inline-Skates oder Mountainbikes.Akrobatische Salti über die Rampe, artistische Sprünge in der Half-Pipe oder zentimetergenau mit einem BMX-Rad über einen Kleinwagen.Dazu Freeclimbing an einer Kletterwand, Fahrradparcours, Torwandschießen und jede Menge Musik.Jeder, der es den Profis gleichtun möchte, kann sich die Sportgeräte kostenlos ausleihen und mitmachen. Einzige Ausnahme beim Mitmachen ist die Rampe aus Stahlrohr, die sich mehr als zehn Meter in die Höhe erstreckt.Die bleibt den Jungs vom Ski-Freestyle-Trio "Team Extreme" aus München vorbehalten.Sie rauschen die mit Seifenlauge präparierte Rampe mit gut 50 Stundenkilometern auf Skiern herunter und landen nach beeindruckender Luftakrobatik in einem riesigen Luftkissen.Außerdem sendet der Kinderkanal von ARD und ZDF zweimal täglich live aus dem Saal 2 mit zahlreichen prominenten Gaststars und viel Musik.So auch am Sonntag nachmittag, als Showmaster Wolfgang Lippert die Kinder-IFA live im Kinderkanal eröffnete.Sportlich versteht sich, was beinahe ins Auge gegangen wäre.Erst stürzte Kinderkanal-Moderatorin Singa Gätgen beim Einfahren vor der Bühne mit dem Mountainbike, dann rutschte "Lippi" äußerst unsanft die Halfpipe herunter. Ganz ohne Videospiel geht es aber auch hier nicht.In einem Original-Speedboot kann man virtuelle Wasserwege hinunterrauschen.Während Roy im Boot um die Bestzeit kämpft, ermitteln Marcel, Hagen und André in Halle 18 am Sony-Stand im Formel-1-Rennwagen den schnellsten Fahrer des morgens.Im Original-Boliden rasen alle drei den simulierten Nürburgring herunter.Hagen hat statt des Lenkrads eine Spielkonsole in der Hand und laut Einblendung auf dem Monitor heißt er Michael Schumacher.Das aber ist ihm völlig schnuppe, denn erstens hieß die kurz vor ihm gefahrene Anna auch Michael Schumacher und zweitens sticht er mit einer Klassezeit seine Konkurrenten aus und gewinnt eine Play-Station, damit er auch daheim weiterrasen kann. Wie man sich richtig und rücksichtsvoll auf der Straße verhält, erfahren die jüngsten unter den IFA-Besuchern inzwischen am Stand von RTL 2 in Halle 23.Verkehrserziehung mit Vampy steht auf dem Programm.Für jedes richtig erkannte Verkehrszeichen gibt es Beifall von einem überdimensionalen Plastik-Popeye und einem Stoff-Ninja-Turtle.Und natürlich von den stolzen Eltern. Wasserfarben, Buntstifte und Wachsmalkreide statt Videospiele heißt es auf der ICC-Brücke.Kinder und Jugendliche bis 21 Jahren können hier ihren Ideen gestalterisch freien Lauf lassen.Das ganze läuft im Rahmen der Aktion "Malen für das neue Telefonbuch" der Deutschen Telekom unter dem Motto "StadtART".Betreut wird die Veranstaltung vom Kreativ-Service der Malschule Emden.Mit der bisherigen Beteiligung ist die Leiterin der Malschule, Angela Bruning, zufrieden.Jedes Bild hat die Chance, als Cover für die Berliner Telefonbücher von 1998 ausgewählt zu werden und nimmt gleichzeitig am Bundeswettbewerb teil.Darüber hinaus gibt es Tagessieger.So etwa das Bild der achtjährigen Viktoria, die ihren Blick aus einem Fenster im 5.Stock aufs Papier gebracht hatte. Egal ob Videospiel, Skateboardfahren oder Malen.Bis zum Sonntag können sich die Kinder und Jugendlichen auf der IFA tummeln.Beim nächsten Besuch bei den Verwandten wird die achtjährige Viktoria stolz berichten können, daß ihr Bild möglicherweise schon bald auf einem Telefonbuch erscheint.Hagen wird dann vielleicht von seiner Bestzeit auf dem Nürburgring erzählen.

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