Zeitung Heute : Es sieht so aus

Matthias B. Krause[New York]

Die amerikanischen Behörden haben sich geirrt. Es gibt gar keine Hinweise auf bevorstehende Terroranschläge. Wie konnte es zu der Fehlinformation kommen?

Der Sprecher des Weißen Hauses ließ den verräterischen Satz mitten im Gespräch fallen. „Ich habe keine Beweise für eine unmittelbar bevorstehende Terroroperation gesehen“, sagte er, „ich habe keine Hinweise, dass es dafür Pläne gibt.“ Komisch, hatte doch der Chef der Behörde für Heimatschutz Anfang des Monats lautstark Alarm geschlagen. Finanzinstitutionen in New York City, in Newark, New Jersey, und in Washington D.C. seien höchst gefährdet. Straßen wurden abgesperrt, massive Polizeieinheiten marschierten auf, Brücken und Tunnel schlossen, Kontrollpunkte für Lkw errichtet. Ausflugshubschrauber für Touristen könnten den Terroristen dieses Mal als fliegende Bomben dienen, hieß es, oder Limousinen, voll gepackt mit Dynamit. Alles eine Überreaktion zu Wahlkampfzwecken, wie es Regierungskritiker schon lang vermuten?

Eigentlich hatte der Mitarbeiter des Weißen Hauses, der in den US-Medien wie üblich nur anonym zitiert wird, die Reporter zusammengerufen, um solche Bedenken zu zerstreuen. Die Daten, die die CIA auswerte, zeigten, dass die Ausspähversuche Al Qaidas jünger seien als bisher berichtet, sagte er. Zunächst hatte es geheißen, die Daten, die belegten, dass Gebäude und Plätze als Ziele neuer Terrorattacken ausgekundschaftet worden seien, wären schon mehr als ein Jahr alt. Dann hieß es, die jüngsten Daten stammten vom Januar. Mittlerweile, so der Sprecher, habe man weitere gefunden, die „aus dem Frühling“ stammten. Und weiter: „Die Bedrohung ist gewachsen. Wir wissen, dass alles auf eine Attacke gegen die Vereinigten Staaten hinweist und die Informationen werden immer detailierter.“

Nur die wesentlichen Antworten sind aus dem Gestrüpp von Fiktion und Fakten immer noch nicht herauszufiltern: Wer plant was, für wann? Behauptungen, wie die von Regierungsberaterin Frances Frago Townsend, die sagte, der jüngste Alarm habe Al Qaidas Pläne zunichte gemacht, machen die Sache auch nicht besser. Solange das Weiße Haus keine überzeugenden Daten liefern kann, wird das ungute Gefühl anhalten, dass sämtliche Warnungen verdächtig danach klingen, als seien sie direkt in der Wahlkampfzentrale der Republikaner formuliert worden.

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