Zeitung Heute : Es war einmal in Amerika

FRANK NOACK

"Polish Wedding" - eine Einwanderersaga von Theresa ConnellyVON FRANK NOACKVon wegen kühler Norden! Die Schwedin Lena Olin ist ein Energiebündel, wie es seit Anna Magnani kaum mehr zu bewundern war.Bekannt wurde sie durch "Havanna" und "Mr.Jones".Als Jadiza Pszoniak, Oberhaupt einer polnisch-jüdischen Einwandererfamilie in Detroit, regiert sie wie eine Königin über einen schwachen Ehemann (Gabriel Byrne aus "Am Ende der Gewalt"), eine frühreife Tochter (Shakespeares "Julia": Claire Danes), fünf Söhne sowie ein paar Enkel.Ihren wachen Augen entgeht nichts.Daß sie ihr Geld als Putzfrau verdient, nimmt ihr nur kurzfristig etwas von ihrem Glanz, denn kaum hat sich der Manager Roman (Rade Serbedzija) mit ihr auf dem WC eingeschlossen, legt sie ihn mit einem Judogriff flach und wirft sich auf ihn, während der Wassereimer umfällt und unter den beiden ausläuft. Es ist eine heikle Rolle, die Lena Olin zu bewältigen hat.Ständig wirft sie ihr volles rotes Haar nach hinten und schiebt ihren Unterkiefer vor - eine Überfrau, deren eigener Mann sie aus Angst vor ihrer Lebendigkeit erst gar nicht heiraten wollte.Glücklicherweise stattet Olin ihre Rolle mit genügend Charme aus, um ihre Figur vor der Monstrosität zu bewahren.Und was sich um sie herum ereignet, ist eine sympathische, farbenfrohe Variation des Themas "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich".Eine 50er Jahre Saga, sorgfältig inszeniert von der Debütantin Theresa Connelly. Heute 19 Uhr (Royal-Palast), morgen 13 Uhr (Atelier am Zoo), Sonnabend 14 Uhr (International)

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