Zeitung Heute : EU fördert Arbeitsplätze durch Telearbeit

HENRY STEINHAU

Ein deutlich verstärkte Unterstützung für neue (Tele-)Arbeitsformen und elektronische Geschäfte verspricht die europäische Kommission mit dem Ende des Jahres startenden fünften Rahmenprogramm.Dies bekräftigte Maarten Bottermann von der für Telekommunikation und Informationswirtschaft zuständigen EU-Generaldirektion XIII auf der Konferenz "Online Collaboration", die am Mittwoch im Hotel InterContinental zu Ende ging.Primäres Ziel sei die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen.Gute Nachrichten also für die rund 250 Konferenzteilnehmer aus 15 Ländern, die als Fachleute mehr oder weniger tief im Thema stecken.In etwa 50 fachspezifischen Vorträgen bilanzierten sie den Fortschritt der Telearbeit.

In Europa geht es damit eher langsam, dafür aber sicher und in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich voran.Die Vorträge zeigten, wie unterschiedlich Telearbeit in Europa etabliert ist: Während in Belgien knapp vier Prozent der gesamten Arbeitnehmerschaft als Telearbeiter eingestuft werden, sprach ein schwedischer Referent von rund 250 000 beziehungsweise sieben Prozent Heimarbeitern.In Deutschland existieren, nach Angaben des Fraunhofer Instituts für Ergnonomie und Organisation, rund 875 000 Telearbeitsplätze, unterhalten von etwa 135 000 Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.In naher Zukunft würden an die 20 Prozent der Arbeit in Verwaltungen und bei Dienstleistungsunternehmen "telematisch" organisiert sein, so das Institut.

Trotz dieser durchaus beeindruckenden Zahlen stellten die meisten Konferenzbeiträge eher Visionen und Strategien in den Mittelpunkt denn konkrete Teleworking-Lösungen.Darüber hinaus nährten die eher aufs methodische als aufs pragmatische zielenden Referate den Eindruck, daß der PC und das Internet als standardisierte Kommunikationsplattformen nicht automatisch die Probleme eines Fernarbeitsplatzes in vorhandene Organisationstrukturen lösen.Vielmehr würden arbeitsrechtliche Bedenken, etwa durch die Gewerkschaften, die Entwicklung bremsen, desgleichen relativ hohe Investitionskosten."Gerade für kleine und mittelständische Firmen ist die Nutzung von Telearbeits-Lösungen nicht so leicht, wie etwa für Großunternehmen", berichtet Dr.Christof Peltason vom Berliner Softwarehaus Condat.

Hier will das vorgestellte und bereits EU-geförderte Projekt "Cafe Mondial" (www.cafe-mondial.com) mit einem umfangreichen Weiterbildungs- und Umschulungsangebot in Sachen Telearbeit Abhilfe schaffen, wobei es selbst primär als virtuelles Tele-Lerncenter funktioniert.

Ein konkretes Anwendungsfeld für Telearbeit stellte auch Armin Lange von Synopsis International mit dem "Virtual Call Center" vor Kombination mit einem E-Mail-Call Center für die via Internet eingehenden Anfragen."Letztlich ist das ja dieselbe Dienstleistung", sagt Lange.Auf Basis einer integrierten Telefon- und Internet-Software für PCs soll dann kollaboratives Arbeiten im virtuellen Team möglich sein.

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