Zeitung Heute : Euro sorgt für Wachstum in der Werbebranche

BERLIN (AFP/AP/dpa).Die Werbung in deutschen Medien nimmt bis zum Jahr 2010 weiter kräftig zu.Die Nettowerbeeinnahmen werden von derzeit 38,6 Mrd.DM auf 67 Mrd.DM im Jahr 2010 steigen - und somit stärker wachsen als das Bruttoinlandsprodukt von geschätzt 4,1 Prozent jährlich.Zu diesem Ergebnis kommt das Basler Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos AG in der Studie "Werbemarkt 2010", die es im Auftrag der MGM Media Gruppe München erstellte.Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender bleiben danach auch künftig die stärksten Werbeträger in Deutschland.

Die Wirtschaftsforscher führen die zunehmende Werbung vor allem auf die Einführung des Euro zurück.Durch die neue Währung würden die europäischen Märkte durchsichtiger für die Kunden und der Wettbewerb daher schärfer werden, erklärte Prof.Klaus Schrape von Prognos.Die Unternehmen müßten ihre Märkte stärker gegen Konkurrenten aus dem Ausland verteidigen und verstärkt Werbung betreiben.Positiv für die Gesamtentwicklung der Werbebranche wirkt sich nach Ansicht von Prognos auch die anziehende Konjunktur sowie das Aufkommen neuer Märkte wie etwa der Telekommunikation aus.Nach dem Tabakwerbeverbot aus Brüssel erwartet Prognos nunmehr keine weiteren Verbote, die die Prognose wesentlich beeinflussen könnten.

Schon für 1998 rechnet das Institut mit einem Werbeplus von fünf Prozent auf 40,6 Mrd.DM.Der große Gewinner ist laut Prognos das Fernsehen, das um 5,7 Prozent zulegen soll.Auch Tageszeitungen mit einem Plus von 5,1 Prozent und Direktwerbung per Post mit einem Plus von 5,3 Prozent liegen über dem Durchschnitt.Hingegen werden Hörfunkwerbung mit 3,3 Prozent und Werbung in Fachzeitschriften mit 4,1 Prozent nur unterdurchschnittlich zulegen.

Für 2002 rechnet das Institut mit einem Gesamtwerbevolumen von 48,2 Mrd.DM, was einem durchschnittlichen Jahreszuwachs von 4,4 Prozent entspricht.Vom gesamten Werbekuchen wird das Fernsehen auch mittelfristig immer mehr abbeißen: Der Marktanteil soll von heute 19,2 Prozent auf 19,8 Prozent wachsen.Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten seien allerdings auch für das Fernsehen vorbei, ist Schrape überzeugt.Dagegen sinkt der Marktanteil der Tageszeitungen von derzeit 28,1 auf 27,9 Prozent und der Zeitschriften von 9,1 auf 8,8 Prozent im Jahr 2002.Der Hörfunk bleibt mit einem Marktanteil von drei Prozent in den kommenden vier Jahren stabil.

Einen wahren Boom wird dagegen die Online-Werbung erleben.Derzeit wird im Web nur für geschätzte 20 bis 50 Mill.DM geworben.Die Ausgaben für Werbung in den Online-Diensten werden sich allerdings in den nächsten Jahren jährlich verdoppeln und 2002 bis zu 450 Mill.DM betragen."Dennoch wird Online-Werbung damit mittelfristig nur ein Prozent der Werbeeinnahmen auf sich verbuchen können", stellte Schrape klar."Online-Werbung ist heute ein Anbietermarkt und befindet sich in der Preisfindungsphase", sagte er weiter.Angesichts der wachsenden Internetgemeinde werde sich Online als ein ergänzendes Werbemedium etablieren.Im Jahr 2010 würden voraussichtlich 60 Prozent der deutschen Haushalte einen Online-Anschluß haben, heute seien es nur sieben Prozent.

Die Prognos-Erhebung basiert auf den Nettowerbeeinnahmen, wie sie vom Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft erfaßt werden, und nicht auf den Bruttowerbeaufwendungen, wie sie von Nielsen erhoben werden.

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