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Europa : Verschlossene Gesellschaft

03.01.2013 00:00 Uhrvon
Blick durch den neuen Zaun in die Türkei. Foto: ReutersBild vergrößern
Blick durch den neuen Zaun in die Türkei. - Foto: Reuters

Er soll unüberwindlich sein und alle fernhalten, die ihren Weg illegal nach Europa suchen. Doch der kilometerlange Zaun, den Griechenland an der Grenze zur Türkei errichtet hat, verlagert das Flüchtlingsproblem nur.

Als die Sonne sinkt, steigen die Nebelschwaden vom Fluss auf. In der Dämmerung legen sie sich über die Wiesen, hüllen erst die Büsche, dann auch die Bäume ein. Irgendwo im Grau verläuft die Grenze zur Türkei. In solchen Nächten kamen sie früher rüber nach Griechenland, manchmal zu Hunderten – Armutsflüchtlinge, zumeist aus Afrika. Doch jetzt bleibt alles ruhig. Das liegt an dem „Zaun“, wie die Griechen ihn schlicht nennen.

Der Zaun ist ein monströses Sperrwerk, das sich über mehr als zehn Kilometer entlang der türkisch-griechischen Grenze durch die Ebene zieht. Dort, wo nicht der Fluss Evros die natürliche Grenze bildet, wo sich deren Verlauf wie eine kleine Beule ins griechische Landesinnere wölbt, da stehen nun: Stahlpfosten, Maschendraht, dahinter Stacheldrahtrollen aus so genanntem Nato-Draht, in den messerscharfe Klingen eingestanzt sind, dann wieder ein Stahlgerüst und Maschendraht.

Drei Meter hoch ist das Bollwerk. Es soll unüberwindlich sein und all jene fernhalten, die über die Türkei ihren Weg nach Europa suchen, weil sie dort auf eine bessere Zukunft hoffen. Und es funktioniert. „Keine besonderen Vorkommnisse“, wird der Grenzpolizist Christoph Düssel am Ende seiner Nachtschicht melden können.

Viele Monate hatte es gedauert, bis der Zaun im Dezember fertig wurde, er kostete Griechenland rund 5,5 Millionen Euro. Er soll das Land und ganz Europa schützen.

Christoph Düssel ist Teil der Internationalen Einsatzeinheit der Bundespolizei. Für gewöhnlich arbeitet er nicht im Norden Griechenlands, sondern im Rheinland. Doch er ist einer von den vielen Polizisten aus zehn Nationen, die bei der Operation „Poseidon Land“ der EU-Grenzschutzagentur Frontex teilnehmen. Sie unterstützen die griechische Polizei bei der Sicherung der Grenze zur Türkei. Düssel sagt: „Wir stellen wesentlich weniger illegale Grenzübertritte fest, seit der Zaun im Bau ist.“

Mit seinem Kollegen Mark Sigmund fährt Christoph Düssel Streifendienst an der Grenze, immer in Begleitung griechischer Polizisten. „Die Zusammenarbeit mit den Griechen ist gut, viele können Englisch, manche auch Deutsch“, erzählt Düssel. Der silberfarbene Metallzaun glänzt, die scharfen Klingen des Stacheldrahts glitzern in der Sonne. Infrarot- und Wärmebildkameras sorgen dafür, dass der Zaun auf dieser Seite an jeder Stelle Tag und Nacht überwacht werden kann.

206 Kilometer ist die griechisch-türkische Grenze lang, die größtenteils dem Verlauf des Evros folgt. Vor allem im Winter schwillt der Fluss stark an. Er ist dann nur schwer zu überqueren. Die Schleuser, die in der Türkei den Flüchtlingen mitunter tausend Dollar und mehr abnehmen, um sie über die Grenze zu bringen, stellen Schlauchboote oder Holzkähne. Aber viele Boote werden in der reißenden Strömung abgetrieben und kentern. Immer wieder ertrinken Menschen bei dem Versuch, den Fluss zu überqueren.

Nahe der nordgriechischen Stadt Orestiada fließt der Evros in einer weiten Biegung nach Osten, auf die türkische Stadt Edirne zu, bevor er wieder nach Westen abknickt. Die 12,5 Kilometer dazwischen, dort wo die Grenze übers Land verläuft, „das ist der neuralgische Bereich“, sagt ein griechischer Grenzpolizist, der von einer Anhöhe aus mit einem Feldstecher die Gegend beobachtet. „Hier kamen sie rüber, das war ihr Tor nach Europa“, sagt der Polizist. „Hier“, das ist da, wo nun der Zaun steht. Und Orestiadas Polizeichef Paschalis Syritoudis, zuständig für den nördlichen Grenzabschnitt, erzählt, wie viele Menschen in manchen Nächten kamen. „Am 2. August 2012 haben wir an einem einzigen Tag 421 Menschen aufgegriffen, Männer, Frauen und Kinder, die hier illegal über die Grenze kamen.“

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