Zeitung Heute : Europas Zeitungen auf einer Seite

Gründungsförderung der Freien Universität unterstützt Internet-Start-up

Jan Hambura

Noch sind sie schwer zu finden. Ihr Büro haben sie im ersten Stock eines alten Plattenbaus zehn Busminuten vom S-Bahnhof Treptower Park entfernt. Die weißen Wände sind zugestellt mit Schreibtischen. Überall stehen Laptops, Computer und Flachbildschirme. Mitten im Raum steht eine dünne Spanplatte auf zwei Böcken, die als Tisch dient. Daran sitzen Blaise Bourgeois und Kristoffer Lassen, auf zwei einfachen Stühlen. Die beiden sind Initiatoren des Internetportals mit dem Phantasienamen Imooty.eu. Es war Bourgeois’ Idee, Imooty.eu ins Leben zu rufen. Der Absolvent des Fachbereichs Kunst und Neue Technologien an der Universität Paris VIII verbrachte ein als Austauschstudent in Berlin. Ihm fehlten Neuigkeiten aus der Heimat. Und so kam er sechs Jahre später – wieder zurück in Berlin – auf die Idee, eine Internetplattform für Menschen wie ihn zu schaffen. Franzosen und andere Europäer finden fernab ihrer Heimat die aktuellen Schlagzeilen und Artikel von „Le Monde“, „El Pais“, „The Times“ und Co. gebündelt auf einer Internetseite. Die Nutzer von Imooty.eu können auf Artikel von mehr als 550 Zeitungen aus 19 europäischen Ländern zugreifen. Der Zugang zu Radio- und Fernsehsendern sowie Neuen Medien aus allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ist bereits geplant. „Mit unserer Plattform können Nutzer zum Beispiel gezielt nach Artikeln suchen, zum Beispiel über Angela Merkel, und viele davon mithilfe von Google sogar ins Deutsche übersetzen“, sagt der 30-jährige Bourgeois. „Die Nutzer können sich so eine eigene Meinung zu einem Thema bilden, weil sie Artikel aus vielen Ländern und Zeitungen verschiedener politischer Ausrichtungen lesen und vergleichen können.“

Der gebürtige Norweger Lassen verantwortet das Marketing für Imooty.eu. Acht Jahre lang arbeitete der 34-jährige Experte für geistiges Eigentumsrecht in einer Kanzlei in Kalifornien. Eines seiner Hobbys ist das Fotografieren. 2005 kam er für eine Ausstellung seiner Fotos nach Berlin. Hier lernte er seine spätere Ehefrau, eine Französin, kennen. Durch seine Frau kam er mit Blaise Bourgeois in Kontakt, der seit 2004 als Programmierer und Designer in Berlin arbeitet. Anfang 2007 ging Imooty.eu online. Rund 15 000 Nutzer und 50 000 Seitenaufrufe hat das Portal pro Monat. Der für die Programmierung und das Design zuständige Bourgeois ist überzeugt: „Unser System hat einen besseren Filter als Google News.“

Das Team von Imooty.eu ist international aufgestellt. Neben Bourgeois und Lassen arbeitet noch Serena Botti für das Portal. Die 26-jährige Italienerin hat ihren Master in Internationalen Beziehungen an der Universität in Bologna gemacht und ist für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Die Nutzer von Imooty.eu können sich unter „Mein Imooty“ die neuesten Artikel ihrer Lieblingszeitungen anzeigen lassen und Suchergebnisse speichern. „Ich lese gerne den Sportteil von ‚Bergen Tidende' aus Norwegen, den Finanzteil der ‚Financial Times Deutschland' und den Kulturteil des ‚Guardian'“, erzählt Lassen. „Unter Imooty.mobi können unsere Nutzer mit dem Handy auf ihren eigenen Bereich und auf das ganze Portal zugreifen.“

In Zukunft möchten Bourgeois und Lassen das Portal kommerzialisieren. „Bislang haben wir das Portal von Erspartem und mithilfe unserer Familien und Freunden betrieben“, sagt Lassen. Geld soll durch Werbung und Zugänge zu kostenpflichtigen Archivartikeln fließen. Sie sind auch auf der Suche nach einem Investor.

Bei dem Gründertreffen „Business & Beer“, das von Profund, der Gründungsförderung der Freien Universität veranstaltet wird, erklärte Lassen den Teilnehmern die Funktionen seines Internetportals. Daraufhin entstand ein Kontakt zu Juliana Raupp, Professorin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität. „Politischen Institutionen und international tätigen Unternehmen bietet Imooty.eu eine gute Möglichkeit, die Berichterstattung über das Unternehmen oder die Organisation in wichtigen europäischen Zeitungen zu verfolgen“, erläutert Raupp. Sie will den beiden Portalbetreibern künftig mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Bourgeois und Lassen erhielten vor Kurzem den Zuschlag für ein Exist-Gründerstipendium an der Freien Universität Berlin, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Die angehenden Unternehmer ziehen nun in Räume von Profund an der Freien Universität Berlin und erhalten eine Förderung von rund 100 000 Euro für das kommende Jahr. Damit hat auch das räumliche Provisorium ein Ende.

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