Zeitung Heute : Experimente mit der Reduktion Elena Kikina gewinnt den Deutschen Studienpreis

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Die Designerin muss kichern, als sie ihren Entwurf in die Höhe hält. Sie fragt: „Weißt du, was das ist?“ Schulterzucken: Ein Kissenbezug, eine Tasche ohne Schultergurt? Aber würde man dafür den Deutschen Studienpreis gewinnen? Bei dem viereckigen Stoffstück mit mehreren Schlitzen und einer Verschlusskante mit Druckknöpfen handelt es sich um ein weich fallendes Top, das seine Raffinesse erst am Körper offenbart.

Der Studienpreis der Körber-Stiftung wird an Forscher unter 30 Jahren verliehen – Elena Kikina kann man getrost zu der Gattung zählen. Die Absolventin des Studiengangs Modedesign an der Kunsthochschule Weißensee experimentiert mit der Reduktion von Material und Arbeitsaufwand.

Wenn Elena Kikina Kleidung entwirft, geht sie von den geometrischen Grundformen aus und macht daraus Erstaunliches: Kleider mit nur einer Seitennaht, die sich der Figur durch Drapierungen anpassen, Röcke aus zwei Stoffbahnen, die wie Origami gelegt, elegante Falten werfen und Strickboleros aus zwei Wollstreifen. Einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 5000 Euro hat die gebürtige Moskauerin, die 1999 zum Studieren nach Berlin kam, in eine Maschine investiert die besonders flache Nähte fabriziert – sozusagen ein wichtiges Forschungsinstrument auf dem Weg zu mehr Schönheit durch Schlichtheit. GTH

Die Arbeiten von Elena Kikina sind vom 20. Mai bis 30. Juni im Internationalen Design Zentrum, Reinhardtstr. 52, Mitte, im Rahmen des Mart-Stam-Förderpreises zu sehen. Infos: www.elena-kikina.de

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