Zeitung Heute : Exzellenz kann Schule machen

Richard Schröder

TRIALOG

Elite für alle! haben Weimarer Studenten skandiert, als sie vom SPD-Projekt „Eliteuniversitäten“ hörten. Der Witz ist gut. Ich habe einen besseren: „Nobelpreis für alle!“

Jede Gesellschaft hat nur eine begrenzte Zahl von Hochbegabten. Ihre Anzahl steigt nicht dadurch an, dass heute nicht nur sieben sondern, möglichst vierzig Prozent jedes Jahrgangs studieren sollen. Deutschland ist eine Exportnation, aber wie lange noch, wenn wir weiterhin unsere Hochbegabten exportieren?

Menschen, sagt Odo Marquard, können etwas „statt dessen“ tun. Nach diesem Muster, dem der falschen Alternativen, laufen viele öffentliche Diskurse. Eliteuniversitäten statt einer Verbesserung der Studienbedingungen für alle ist ebenso absurd wie Breitenförderung statt Hochbegabtenförderung. Man soll das eine tun und das andere nicht lassen.

Eliteuniversitäten kann man nicht aus dem Hut zaubern, zehn schon gar nicht. Ich fände es gut, wenn an einigen, sagen wir drei Universitäten, die Rahmenbedingungen für Exzellenz verbessert würden. Wenn ein Erfolg sichtbar wird, kann das Schule machen.

1. Die Universität muss die hochbegabten – und hochmotivierten Studenten finden, nämlich in Aufnahmegesprächen. Die zentrale Studienplatzvergabe taugt dafür nicht.

2. Der Zugang darf nicht von den Finanzen der Eltern abhängen. Das kann so sichergestellt werden, dass die Bewerbung mit zwei verschlossenen Umschlägen erfolgt. Der erste dokumentiert den Bildungsgang und ist Grundlage des Zulassungsgesprächs. Der zweite dokumentiert, wie das Studium finanziert werden soll und wird erst geöffnet, nachdem die Zulassung ausgesprochen ist. Also: die Universität muss die Finanzierung des Studiums der Zugelassenen organisieren, soweit sie und ihre Eltern dazu nicht in der Lage sind.

3. Wenn das garantiert ist, sind Studiengebühren gerechtfertigt. Es ist ein Aberglaube, dass sie eine Universität maßgeblich finanzieren könnten. Aber sie fördern den effektiven Umgang mit der Studienzeit. Was nichts kostet, ist nichts wert. Und sie motivieren die Universität, für gute Studienbedingungen zu sorgen, denn niemand zahlt für eine schlechte Leistung, wenn er anderswo eine bessere bekommt. Die Universität muss dann aber auch so ausgestattet sein, dass sie für gute Studienbedingungen sorgen kann.

4. Eine intensive und individuelle Begleitung der Studenten ist notwendig. Jeder Student muss einen Tutor haben, mit dem regelmäßig Konsultationen stattfinden. Entsprechend groß muss der Lehrkörper sein.

5. Hochschullehrer müssen nicht Beamte auf Lebenszeit sein. Die befristete Berufung, die auf Lebenszeit verlängert werden kann, sollte möglich sein.

6. Die Universität muss nach innen handlungsfähig sein. Dazu gehört eine hauptamtliche, professionelle und entscheidungsfähige Universitätsleitung. Das heißt nicht, dass eine Universität wie ein Unternehmen geführt werden soll, denn Profit ist kein brauchbarer Maßstab für Bildung. Die beste Ägyptologin bringt nicht mehr Geld in die Kassen. Die Universität taugt aber auch nicht als Spielwiese für Basisdemokratie, bei der im Idealfall alle mitentscheiden. Das erhöht die Zahl der Sitzungen und verwässert die Entscheidungen.

Ich bin gespannt, was aus dem Ei „Eliteuniversität“ rauskommt, wenn es wirklich ausgebrütet wird.

Der Autor ist Professor für Theologie an der Humboldt-Universität in Berlin.

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