Zeitung Heute : Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice

Daniela Martens

Knapp 280 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Und es kommen immer wieder weitere hinzu. Allein in diesem Jahr gibt es rund 20 neue und modernisierte Berufsbilder. Der Tagesspiegel porträtiert deshalb in einer Serie die spannendsten und zukunftsträchtigsten Berufe.

Alleskönner sind gefragt. Daniel Blum ist dabei, einer zu werden. Seit sechs Wochen lässt er sich zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice ausbilden. Den Beruf gibt es erst seit August. „Ich habe mich beworben, weil mir die Ausbildung neu und aufregend vorkam“, sagt Blum. Gemeinsam mit drei weiteren Azubis lernt er nun im Möbelhaus Hübner – und zwar von vielen Dingen etwas: Ein bisschen über Elektrik und übers Tischlern. Außerdem einiges, was ein Monteur oder Installateur für Gas- und Wasseranschlüsse wissen muss – eben alles, um eine Küche beim Käufer aufzubauen.

„Der Beruf ist besonders vielseitig“, sagt Ronald Panicke, Geschäftsführer bei Möbel Hübner. Vorher habe es kaum Fachleute für viele Arbeiten beim Ausliefern von Küchen und anderen Möbeln gegeben. Acht Jahre habe die Branche dafür „gekämpft“, dass der Beruf eingeführt wurde. Lange hat der Betrieb Tischler für die Aufgaben fortgebildet. Gasanschlüsse aber konnten die meisten nicht legen. „Ich freue mich darauf, dass ich später mehr kann als andere Mitarbeiter“, sagt Blum.

Ein Jahr lang hat er sich nach seinem Realschulabschluss bei vielen Firmen beworben. Für die Ausbildung im Möbelhaus brachte er die richtigen Qualifikationen mit: „Selbstbewusstes Auftreten und gutes Benehmen sind wichtig“, sagt Panicke. Schließlich gehe es darum, die Firma zu repräsentieren. „Der neue Beruf ist meilenweit vom Möbelpacker entfernt.“ Sportlich und kräftig müssen Bewerber allerdings ebenfalls sein. „Schließlich gibt es schwere Lieferungen, die ohne Lift in den fünften Stock gebracht werden sollen.“

Drei Jahre dauert die Ausbildung. „Wir lassen die Auszubildenden nicht gleich auf die Kunden los“, sagt Panicke. Zuerst montieren sie in den Ausstellungsräumen Möbel und lernen in der hauseigenen Tischlerei die Grundlagen des Handwerks. Bald fährt Blum dann „als dritter Mann“ bei einem erfahrenen Auslieferungsteam mit – erst einmal, um „normale“ Möbel aufzubauen. Erst später darf er auch Küchen zusammenschrauben.

Außerdem wird Blum lernen , Warenbestände zu kontrollieren und zu sichern. So steht es in der Ausbildungsordnung, die vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erarbeitet wurde. Auch der Umgang mit Werkzeugen, Maschinen und Transportmitteln steht auf dem Stundenplan. In der Berufsschule lernen die Auszubildenden, Rechnungen und Lieferunterlagen zu prüfen. Und ihre Arbeit zu planen und zu dokumentieren. Mit Infos zur Sicherheit, zum Gesundheits- und Umweltschutz am Arbeitsplatz und zum Arbeits- und Tarifrecht wird die Ausbildung abgerundet. Im dritten Jahr darf Blum dann im Kundendienstwagen ans Steuer: Reklamationen aufnehmen und Fehler beheben ist sozusagen die „Kür“ des Berufes. Panicke hält diese Ausbildung für „sehr zukunftsträchtig“. Die Azubis hätten gute Chancen, übernommen zu werden. „Wir brauchen ständig Nachwuchs.“

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