Zeitung Heute : Fahrrad-Codes und Teddy-Bären

Auch die Polizei steht am Samstagabend mit einem Infomobil auf dem Breitscheidplatz

-

Wenn Patrick Spatzker das erste Fahrrad hochnimmt und die CodierungsMaschine ranlässt, dann bildet sich binnen Minuten eine Menschentraube um ihn. Das kennt der Polizist schon: „Die Menschen wollen dann wissen: Wer ist denn da so laut?“, weiß der 33-Jährige aus Erfahrung. Die Fahrradcodierung ist bei den Besuchern der Langen Nacht beliebt – manchmal stehen die Radler schon Schlange bevor es losgeht.

Ab heute sind der Polizeioberkommissar und seine drei Kollegen ab 12 Uhr mit ihrem Info-Mobil am Breitscheidplatz präsent. Bis 20 Uhr stehen sie Rede und Antwort, morgen von 12 bis 22 Uhr und am Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Sie nutzen auch diese Großveranstaltung, um den direkten Kontakt zum Bürger herzustellen. Die Kodierung ist kostenlos und zur Identifikation gedacht. „Durch die eingeprägte Rahmennummer lassen sich wieder gefundene Räder zweifelsfrei zuordnen“, erklärt Patrick Spatzker. Registriert sei das Rad mit dieser Nummer jedoch nicht – „eine genaue Beschreibung ist erst im Falle eines Diebstahls gefordert“, informiert der Beamte vom Polizeiabschnitt 27 an der Joachimsthaler Straße, der zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist.

Das Info-Mobil, das eigentlich ein umgebauter VW-Bus der Ordnungshüter ist, trägt seinen Namen nicht umsonst: Es bietet auch jede Menge Infomaterial. Wie schütze ich mich vor Einbruch oder Handtaschen-Diebstahl? Wo sollten alte Menschen ihr Geld sicher aufbewahren? Wie bewahre ich meine Kinder vor Drogen oder Gewalt?

Wenn die Beamten zu Fragen rund um die Sicherheit der Berliner beraten, dann haben sie meist auch Broschüren parat. So kann jeder noch mal zu Hause alles in Ruhe nachlesen oder auch Informationen und helfende Telefonnummern weitergeben. Insbesondere zum Thema häusliche Gewalt gibt es das Material nicht nur auf Deutsch, sondern auch Türkisch, Spanisch und Arabisch.

Jugendliche, die gerne in den Polizeiberuf einsteigen wollen, werden ebenfalls auf kompetente Beratung zählen können. Patrick Spatzker ist seit über zehn Jahren im Beruf und freut sich darauf, interessierten Mädchen und Jungen Aufschluss über Ausbildungsanforderungen und -inhalte zu geben. Der Oberkommissar, der seinen Job mit Leib und Seele ausübt, bedauert umso mehr, dass die Berliner Polizei zurzeit kaum Ausbildungsplätze bieten kann: „In diesem Jahr überhaupt nicht mehr und im kommenden Jahr nur wenig“, sagt er. Dennoch könne es in zwei, drei Jahren schon ganz anders aussehen.

Das tröstet. So wie es oft die Teddys von der Polizei tun. Die Stofftiere gehören zur Ausstattung eines Funkwagens und auf den Revieren. „Von Verkehrsunfällen oder anderen Umständen traumatisierte oder verletzte Kinder bekommen die Teddys geschenkt“, erzählt Spatzker. Aber auch fröhliche Kinder freuen sich über die kuscheligen Begleiter, darum kann man sie am Infomobil kaufen. Der Erlös für einen guten Zweck: Davon werden neue Bären angeschafft.

Dass viele Menschen etwas Gutes tun und dafür den Polizisten einige Geldstücke zustecken wollen, hat Freund und Helfer Spatzker auch schon oft erlebt. „Das darf ich natürlich nicht annehmen“, erinnert der Beamte. Für den Fall, dass sich einige Menschen an diesem Wochenende in dieser Form bei ihm und seinen Kollegen bedanken wollen, hat Spatzker vorgesorgt: Eine Spendenbox steht bereit. Die Kasse geht an den Verein „Grüner Stern“. Dieser kümmert sich um die Versorgung von verletzten Beamten oder die Angehörigen getöteter Polizisten. awü

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar