Zeitung Heute : Fahrschein ins Ausland

Drei Schulen in der Region bieten das Internationale Abitur an

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Schüler aus Israel, Amerika, Palästina, Deutschland und Japan sitzen in der Mittagspause zusammen in der Cafeteria. Es wird gelacht, erzählt und diskutiert. Ihre gemeinsame Sprache ist Englisch, sie besuchen die Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow. Unterrichtet werden an dieser Schule 356 Kinder und Jugendliche aus 34 Ländern. „Hier begegnen sich Kulturen, die Schüler respektieren sich und sind interessiert an der Herkunft anderer“, sagt die Sprecherin der Schule Sabine Andreas.

Doch die Schule bietet noch etwas Besonderes: Die Oberschüler der internationalen Schule schließen ihre Ausbildung nach der zwölften Klasse mit einem in über 110 Ländern anerkannten Abitur ab, dem internationalen Baccalaureate (IB). Für diesen Abschluss müssen zu Beginn der elften Klasse sechs Fächer belegt werden, drei davon auf höherem Niveau. Zwei Sprachen und Mathematik sind Pflicht. Von den Fächern Information und Technologie in der globalen Gesellschaft, Geschichte und Erdkunde muss eines belegt werden. Dazu kommt Physik oder Biologie und das sechste Fach kann entweder Kunst, Musik, Chemie oder eine zweite Fremdsprache sein.

Neben den Prüfungsfächern ist auch der Unterricht in „Theory of Knowledge" Pflicht, ein Fach, in dem Wissen und Denken kulturübergreifend behandelt wird. Ein schriftlicher Aufsatz zu einem eigenständig gewählten und erarbeiteten Thema gehört ebenfalls zum IB. Mit kreativen, sportlichen und sozialen Aktivitäten wollen weitere 150 Stunden gefüllt sein. Unterrichtssprache in der Oberstufe ist Englisch, Französisch oder Spanisch.

Weltweit greifen alle Schulen, die das IB anbieten, auf die gleichen Lehrpläne zurück. Mit dem Ziel einen einheitlichen und international anerkannten Schulabschluss zu etablieren, wurde das IBProgramm 1968 von der „International Baccalaureate Organization“ (IBO) in Genf entwickelt. Schulen, die das IB anbieten wollen, müssen sich bei dieser Organisation bewerben.

Das vollständige IB-Programm berücksichtigt auch den Unterricht der Klassen eins bis zehn. Die beiden Schuljahre vor dem Abschluss kosten an internationalen Privatschulen in Berlin etwa 700 bis 960 Euro monatlich. Leistungsstarke Schüler aus sozial schwachen Familien können Stipendien beantragen.

„IB-Absolventen sind bilingual und qualifizierter als nach dem hiesigem Schulsystem, ihnen steht die ganze Welt offen", sagt die Sprecherin der Berlin Brandenburg International School. Den IB-Schulabschluss bieten auch die Berlin British School in Charlottenburg und die Berlin International School (BIS) in Dahlem, deren Träger die Private Kantschule ist. An der BIS kann neben dem IB auch das deutsche Abitur abgelegt werden. Wer das IB nicht geschafft hat, muss kein ganzes Schuljahr wiederholen, sondern nur die nicht bestandenen Prüfungen. An dieser Schule ist das Abitur sogar mit dem IB kombinierbar. So können zukünftige Abiturienten einige IB-Fächer zusätzlich belegen, die sie für ein Auslandsstudium benötigen.

Andreas Wegener, der Leiter des Trägervereins Private Kant-Schule, betrachtet das deutsche Abitur nicht als minderwertigeren Abschluss: „Beide Wege führen zum Ziel, beide sind Zugangsberechtigungen für Universitäten.“ Aber die besondere Förderung sprachlicher und sozialer Fähigkeiten spreche für das Baccalaureate. kat

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