FAKTEN : Die Spendengelder bleiben aus

Noch kurz vor seiner Pleite hatte das Bankhaus Lehman Brothers dem traditionsreichen Apollo Theater in Harlem eine Million Dollar Unterstützung zugesagt. Ob dieses Versprechen auch nach der Insolvenz gilt, ist fraglich. An

nahezu jede namhafte Kultureinrichtung in New York flossen Lehman-Dollar,

darunter das Brooklyn Museum, das MoMA oder das Guggenheim New York.

Die Liste der Unterstützer der New

Yorker Kulturszene liest sich seit dem Beginn der Finanzkrise wie eine

Aufzählung von Pleitiers und Fehlspekulanten: Washington Mutual, Merril Lynch, AIG, Bear Stearns oder die Bank of America. Die Krise trifft die amerikanischen Museen, Theater oder Bibliotheken mit voller Härte. Viele der Sponsoren haben sich ein rigides Sparprogramm auferlegt, hängen selbst am

Finanztropf der Regierung oder sind

insolvent. Auch private Förderer, die ihr Kapital in Fonds oder Derivaten angelegt haben, sind in Schwierigkeiten: Fast 100 Stiftungen investierten einen Teil ihres Geldes in Geschäfte des Milliarden-Betrügers Bernard Madoff, dessen Spekulationsblase im Dezember platzte. Die Stiftung des Holocaust- Überlebenden Elie Wiesel verlor dabei ihr gesamtes Kapital.

Wirtschaft und Kultur sind in den USA besonders eng miteinander verflochten. Für Unternehmen gehörte es im Rahmen ihrer Corporate Responsibility, der Verantwortung gegenüber der

Gesellschaft, zum guten Ton, zu fördern und zu sponsern. Engagement in Kunst und Kultur verspricht ein positives Image und garantiert eine prominente Platzierung des Firmennamens auf

Plakaten und Katalogen.

Die Reaktionen in New York auf den Spendeneinbruch sind unterschiedlich. Um zu sparen werden Sonderausstellungen zunehmend durch Werke der eigenen Sammlung bestritten, wie die van Gogh Ausstellung im MoMA im vergangenen Herbst. Das MoMA verhängte einen

Einstellungsstopp sowie eine zehnprozentige Etatkürzung. Die Angestellten der City Opera mussten Ende Oktober bereits zwei Tage zu Hause bleiben, da das Geld nicht mehr für den vollen

Monatslohn reichte. Die Public Library hält dagegen an einem 250 Millionen Dollar teuren Neubauprojekt fest. Unterstützt wird die Bibliothek durch eine 100 Millionen-Dollar-Spende des Finanz tycoons Stephen A. Schwarzman, dem CEO der Blackstone Group. Ob Schwarzman sein Versprechen halten kann, bleibt freilich abzuwarten. Im Verlauf des letzten Jahres verlor sein Unternehmen knapp drei Viertel an Wert.mimo

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