Zeitung Heute : Falsch gemünzt?

Beamte sind teuer und verdienen zu viel – so lauten die Vorurteile. Da helfen Zahlen und Fakten

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Viele Landesbeamte und Versorgungsempfänger werden ihren Weihnachtsbaum schon aufgestellt haben, als ihnen ihr oberster Dienstherr ein unerfreuliches Geschenk machte. Die Bediensteten in vielen Bundesländern mussten im vergangenen Jahr auf einen Gutteil ihres Weihnachtsgeldes verzichten. Und im Jahr 2004 werden alle Beamten, auch die beim Bund, Gleiches erdulden müssen. Außerdem streichen Bund und Länder ihren Beamten das Urlaubsgeld. Ausnahmen sind die Länder Hessen, Bayern, Niedersachsen, RheinlandPfalz und das Saarland, die bis zur Besoldungsgruppe A8 noch eine Pauschale zahlen wollen. Schleswig-Holstein will noch bis zur Besoldungsgruppe A10 eine jährliche Sonderzuwendung springen lassen.

Dabei, so hat der Deutsche Beamtenbund (DBB) errechnet, liegt die Lohnentwicklung der Staatsdiener eh schon unter der allgemeinen Entwicklung. So haben nach Auskunft des DBB die Löhne und Gehälter außerhalb des Staatsdienstes im Jahr 2003 um durchschnittlich 2,4 Prozent zugenommen. Die Beamten mussten sich mit 1,8 Prozent zufrieden geben. Und die zwei Nullrunden in den Jahren 1996 und 2000, als die allgemeine Lohnentwicklung bei zwei Prozent lag, konnten die etwas überdurchschnittlichen Jahre 1997 und 1999 auch nicht ausgleichen.

Der DBB Rheinland-Pfalz hat für die Zeit von 1997 bis September 2003 mehr als 40 Sparmaßnahmen zu Lasten der Beamten und Versorgungsempfänger ausgemacht – dazu zählen die Absenkung des Versorgungsniveaus von 75 auf 71,75 Prozent und mehrere Verschiebungen von Besoldungsanpassungen.

Heftig wehren sich die Beamten gegen das Vorurteil, sie kosteten den Steuerzahler mehr als Bedienstete im Angestelltenverhältnis. Mehrere Untersuchungen, so der Bund der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen (BRH), hätten das Gegenteil bewiesen. Sowohl die finanziellen Belastungen für Pensionsrückstellungen und -zahlungen als auch die laufende Besoldung seien günstiger, als die Ausgaben für Sozialversicherungen und Gehälter für Angestellte. lha

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