Zeitung Heute : Familie muss man wollen

Jörg Ziegler

Bundesministerin Renate Schmidt hat den „Familienatlas 2005“ vorgestellt, der Deutschland einige Mängel bescheinigt. Was muss passieren, damit Familien hier besser aufgehoben sind?

Familienfreundlicher müssen alle Regionen in Deutschland werden. Das ist die eindeutige Aussage, die dem „Familienatlas 2005“ zu entnehmen ist, den Bundesministerin Renate Schmidt (SPD) am Donnerstag in Berlin vorlegte. Woher kommen all die Defizite?

Es bedarf eines grundlegenden Mentalitätswandel, sagte Marina Rupp, stellvertretende Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung der Universität Bamberg, dem Tagesspiegel: „Es fehlt die positive Einstellung zur Familie“. Dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen, so Rupp.

Die Familienministerin hat die Probleme erkannt. Sie will vor allem die Kinderbetreuung ausbauen. Bis 2010 sollen Gemeinden die richtigen Bedingungen geschaffen haben, mit neuen Gesetzen. Unter dem Dach der „Allianz für die Familie“ hat Schmidt zudem seit Mitte 2003 Initiativen für eine bessere Balance von Familie und Arbeitswelt gebündelt. Partner aus Wirtschaft und Verbänden setzen sich für eine Unternehmenskultur und Arbeitswelt ein, die für alle Beteiligten Gewinn bringen soll. Lokale Bündnisse sollen hier künftig weiterhelfen.

Am Beispiel der Stadt Hanau heißt das: Unternehmen können über die Stadtverwaltung eine Tagesmutter anfordern, wenn bei Eltern im Betrieb die Betreuungsperson krank wird. Die Stadt hält für Unternehmen Notplätze in einer Kindertagesstätte vor. Darüber hinaus denken Einzelhändler und Ärzte daran, ihre Öffnungszeiten den Gewohnheiten und Bedürfnissen von Familien anzupassen. Auch sollen ältere Menschen für die Kinderbetreuung begeistert werden. Mancherorts gibt es Familienkarten, mit denen in ausgesuchten Geschäften billiger eingekauft werden kann. Bei allen Bemühungen gesteht Schmidt ein: „Eine Standardlösung gibt es nicht.“

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