Familienrecht : Vor dem letzten Gespräch

Im Ehevertrag können die Partner alles miteinander regeln, auch noch nach der Eheschließung.

Wolfgang Büser
Sicher ist sicher. Wem nach der Trennung das Hochzeitsauto gehört, kann ein Ehevertrag regeln.
Sicher ist sicher. Wem nach der Trennung das Hochzeitsauto gehört, kann ein Ehevertrag regeln.Foto: Fotolia

Jede dritte Ehe wird vom Scheidungsrichter beendet. Mit ein Grund dafür, dass sich „vorausschauendes Denken“ mehr und mehr durchsetzt: per Ehevertrag. Der kann sogar noch geschlossen werden, wenn man sich längst das Ja-Wort gegeben hat.

Ohne Ehevertrag hat der „wirtschaftlich Schwächere“ Anspruch auf Unterhalt, etwa wenn er gemeinsame Kinder zu betreuen hat oder aus Krankheits- oder Altersgründen nicht arbeitet. Die Unterhaltspflicht kann lebenslänglich dauern. Doch auch der „Zugewinn“ des während der Ehe erworbenen Vermögens wird aufgeteilt.

Beispiel: Die Frau hat 50 000 Euro Vermögen mit in die Ehe gebracht, der Mann 40 000 Euro. Die Frau hat ihr Vermögen auf 80 000 Euro vermehrt, der Mann auf 50 000 Euro. Die Frau muss an ihn 15 000 Euro als Zugewinn „abgeben“ (= 50 Prozent von 30 000 Euro „Zuwachs“), der Mann 5000 Euro (= 50 Prozent von 10 000 Euro Zuwachs), so dass er unterm Strich 10 000 Euro von seiner Frau bekommt. Auch der Hausrat und die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche werden unter die Geschiedenen aufgeteilt.

Ein Ehevertrag kann detailliert alles anders regeln, zum Beispiel die Gütertrennung, die jedem Ehepartner nicht nur das in die Ehe eingebrachte Vermögen belässt, sondern auch dessen Wertzuwachs (der ansonsten im „Zugewinnausgleich“ – wie geschildert – zur Hälfte an den Partner geht). Ferner kann der Versorgungsausgleich gestrichen werden, also die Teilung der während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften. Dies wird allerdings rückgängig gemacht, wenn innerhalb eines Jahres nach der Vereinbarung die Scheidung eingereicht wird.

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