FANTASY-ACTION„Sucker Punch“ : Fünf Engel für den Wise Man

Alexandra Distler
Foto: Warner
Foto: WarnerFoto: Courtesy Warner Bros. Entertainm

Zack Snyder, dem Regisseur von „Watchmen“ und „300“ und eben nun „Sucker Punch“, muss folgendes passiert sein: Er wurde für etwa zwei Wochen mit einer durchaus ansprechenden Auswahl an Actionfilmen und Ego-Shooter-Computerspielen eingesperrt, danach kam er in einen Turbinenrührer, wurde ordentlich durchgeschleudert und musste seine erste eigene Story inklusive Drehbuch verfassen. Regie und Produktion inklusive.

Bei „Sucker Punch“ trifft sich somit alles, was man vom gediegenen bis zum ausgearteten Action- Genre kennt. Da reiht sich Martial Art in asiatischem Setting an Grabenkämpfe im ersten Weltkrieg, weiter gehts mit einer Drachentöternummer mit aus dem „Herr der Ringe“ geborgten Orks, später gibt es noch instabile, christbaumkugelartige Cyborgs, die aus unerfindlichem Grund eine futuristische Stadt mittels Bombe in die Luft jagen wollen.

Das alles ist Phantasie, geboren in der Traumwelt eines blonden Mädchens namens Babydoll (Emily Browning), die von ihrem bösen Stiefvater nach dem Tod ihrer Mutter in die Psychatrie gesperrt wird und der eine Lobotomie droht. Sie plant den Ausbruch, zieht noch vier Insassinen, nämlich Sweet Pea, Rocket, Blondie und Amber auf ihre Seite und los gehts. Zwischenzeitlich verwandelt sich die Psychatrie in eine Art Bordell, nur warum, das bleibt unklar.

Die Mädchen fungieren in dieser Ebene als Tänzerinnen, auch Babydoll, die aber so extraordinär tanzen kann, dass sie ihre Zuschauer damit verzaubert und handlungsunfähig macht, während sie in ihrer Traumwelt verschwindet und besagte Kämpfe, schon bald an der Seite ihrer Mitstreiterinnen und ohne den kleinsten Kratzer gewinnt. Der Plan, der das Sammeln von einer Karte, Feuer, Messer, Schlüssel und einem undefinierten Gegenstand beinhaltet, kommt zunächst von einem Shaolin-Mönch, der später als auftraggebender „Wise Man“ (Scott Glenn) in den Action-Szenen in Erscheinung tritt und einen lachhaften Abklatsch von Charlie Townsend aus „Drei Engel für Charlie“ darstellt.

Wären die Actionszenen in „Sucker Punch“ nicht dermaßen abgekupfert, würde der Soundtrack nicht hammerartig und selbst für den letzten Idioten verständlich eingesetzt, hätte der Film auch nur eine klitzekleine, nachvollziehbare Meta-Ebene, es hätte ein abgefahrener Action-Reißer mit starken Mädchen werden können. So aber bleibt ein schwer verdauliches Gemisch, das verdammt viel Geld verschlungen hat. Vergeigt. Alexandra Distler

USA 2011, 110 Min., R: Zack Snyder, D: Emily Browning, Carla Gugino, Vanessa Hudgens

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar