FANTASY-PREQUEL„Die fantastische Welt von Oz“ : Hinter dem Regenbogen

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Foto: WDS
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1905, irgendwo in Kansas: In einem mickrigen Wanderzirkus arbeitet Oscar „Oz“ Diggs als Zauberer, der den Landeiern lausige Taschenspielertricks als Magie verkauft. Als der Zirkuskraftprotz dahinter kommt, dass ihn seine Frau mit dem öligen Charmeur betrügt, wird es Zeit für einen beherzten Abgang: Oscar (James Franco) flüchtet mit einem Ballon – dummerweise ins Auge eines Hurrikans.

Er macht eine Bruchlandung im Land Oz, wo sich blütenbedeckte Baumkronen in Schmetterlingsschwärme auflösen und giftgrüne Kristallwälder wachsen. Die schönen Hexenschwestern Theodora (Mila Kunis) und Evanora (Rachel Weisz) erliegen den Verführungstricks des falschen Zauberers. Dafür wird er Teil ihres Ränkespiels: Sie hetzen Oscar auf ihre Hexenkollegin Glinda (Michelle Williams) – wodurch sie ihre Schreckensherrschaft sichern wollen. An der Seite von Glinda mobilisiert Oscar die unterdrückten Völker von Oz zum Sturm auf die Smaragdstadt.

Regisseur Sam Raimi („Spider-Man“) stellt sich einem riskanten Vergleich, denn „Die fantastische Welt von Oz“ ist ein Prequel zu „Der Zauberer von Oz“. Wenige Filme sind im kollektiven Gedächtnis der US-Popkultur so verankert wie das legendäre Musical aus dem Jahr 1939. Seinerzeit war der Wirbelsturm-Sturz aus dem schwarzweißen Kansas in das technicolorbunte Land hinter dem Regenbogen einer der größten Überwältigungsmomente der Filmgeschichte. Sinneseindrücke dieser Wucht gibt es für heutige Zuschauer nicht, auch wenn die Effektmaschinerie einer 200-Millionen-Dollar-Produktion für delirierende 3D-Panoramen und perfekt animierte Fabelwesen sorgt.

James Franco spielt den Titelhelden als durchaus unsympathischen Egoisten, als Frauenheld und Hochstapler, der märchengerecht über sich hinauswächst. Franco, momentan einer der begehrtesten Hollywoodstars, bietet mit ironischem Spitzbubengrinsen eine Spiegelung von Judy Garlands staunender Pausbäckigkeit aus dem Original. Garland verkörperte Dorothy als unschuldige Landpomeranze. Francos Oz hingegen ist ein Abenteurer und Avantgardist, der erst jenseits der beschränkten Realität seine Berufung findet: einer, der die Ideen von Houdini und Edison bündelt. Es ist letztlich sein Talent als Illusionist, das Rettung bringt und im Showdown zu einer ergreifenden Hommage an die Wunderwirksamkeit des frühen Kinos verdichtet wird. Farbenfrohes Kinomärchen. Jörg Wunder

USA 2012, 130 Min., R: Sam Raimi, D: James Franco, Michelle Williams, Rachel Weisz

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