Fashion Week Berlin : Palais für Kronprinzen

Zum ersten Mal kamen im Berliner Modesalon Designer aus dem ganzen Land zusammen, um zu zeigen, wie deutsche Mode aussehen kann. Das neu gegründete Fashion Council soll dabei helfen.

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Foto: dpa

Das ist sie also, die Essenz der deutschen Mode. Am Dienstagnachmittag füllte sie ein ganzes Haus. Ein bisschen wähnt man sich, wenn man das Kronprinzenpalais direkt neben der Baustelle der Staatsoper betritt, wie in einem sehr luxuriösen Wohnheim für Designer. Hien Le ist einer von ihnen, er hat seine Entwürfe gleich im Treppenhaus aufgebaut. Alle Besucher müssen über die mit roten Teppichen ausgelegten Stufen an ihm vorbei und fast alle bleiben stehen, schauen sich seine Kleider an, staunen über den Rock aus Neopren, das Pinselstrichmuster, die Seidenblusen. Dreimal hintereinander hat der die Fashion Week mit seiner Modenschau eröffnet – dieses Mal zeigt er lieber im Kronprinzenpalais. Hier wollen eben alle dabei sein.

In einem Raum in ersten Stock flimmert eine Videoinstallation des Kaschmirlabels Allude, wie ein Puzzle schieben sich Fotos von Kaschmirpullovern, Stoffmustern und Models ineinander. An der Wand steht über drei roten Knöpfen „Push“. Hier kann jeder die Bilder immer wieder neu mischen.

Es braucht einen gemeinsamen Ort

„Push“ könnte auch das Motto der ganzen Veranstaltung sein. So euphorisch hat man die Protagonisten der deutschen Modeszene lange nicht mehr gesehen. Ein wenig komisch ist das schon, immerhin zeigen viele der Designer schon seit Jahren ihre Kollektionen während der Fashion Week – rein inhaltlich passiert hier also nichts wirklich Neues. Aber bisher zeigte jeder für sich. Und alle, die Initiatoren, Designer, PR- und Vertriebsagenturen, eint, dass sie endlich geballt zeigen wollen, wie gut deutsche Mode aussehen kann.

Die Berliner Designerin Isabell de Hillerin findet genau diese Solidarität besonders charmant am Kronprinzenpalais. „Hier treffen wir nicht nur Einkäufer und Presseleute, wir können auch untereinander die Kollektionen bewundern.“ Im Foyer steht Marcus Kurz. Der Inhaber der Berliner Eventagentur Nowadays hat zusammen mit der „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp vor neun Wochen beschlossen: Wir trommeln jetzt alle Designer zusammen und fragen sie, was sie brauchen. Die Antwort war klar und deutlich: einen gemeinsamen Ort, um sich der Welt zu zeigen. Neun Wochen ist das her – jetzt fragt sich Kurz, warum sie nicht schon viel früher angefangen haben. Dass gilt auch für das German Fashion Council, das Marcus Kurz und Christiane Arp gleich mitgründeten: „Das hier könnte die perfekte Auftaktveranstaltung für das Council sein, aber die Idee mit dem Kronprinzenpalais war zuerst da.“

Die Zukunft der deutschen Mode

Trotzdem wird die Gründung des Fashion Council von allen Designern an diesem Tag immer wieder in einem Atemzug mit dem Kronprinzenpalais genannt. „Ich habe auf so etwas gewartet“, sagt René Storck. Er lebt in Frankfurt am Main und zeigt seine Kollektion in Paris. Trotzdem ist für ihn Berlin die Plattform, wo sich deutsche Mode zeigen sollte: „Ich kann nicht allein die deutsche Mode repräsentieren, dass schaffen wir nur gemeinsam.“ Vom Fashion Council erhofft er sich mehr Klarheit für die deutsche Modeszene. „Es ist ja nicht so, dass es keine erfolgreiche Mode in Deutschland gibt, sie muss nur wahrgenommen werden.“

Dazu gehört auf jeden Fall das Label Odeeh. Die Designer Jörg Ehrlich und Otto Drögsler nehmen ihren Auftritt hier sehr ernst. Auf Puppen gezogen füllt fast ihre gesamte Pre-Kollektion den Raum aus. Die Designer leben in der Nähe von Würzburg, ihre Schauen organisieren sie in Paris. Er sieht die Berliner Fashion Week viel mehr als Ort, wo sich alles bündelt und man in kurzer Zeit viele spannende Dinge sehen kann. Mit dem Kronprinzenpalais ist auf jeden Fall einer dazugekommen, der für die Zukunft der deutschen Mode wichtiger werden könnte.

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